<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Leak mich!

Bisher fanden sich in den WikiLeaks-Dokumenten enttäuschend wenige Informationen über Österreichs Politiker. Das ändert sich hiemit.

Werner Faymann
Angeblich Bundeskanzler, wiewohl wir diese Einordnung nicht durch handfeste Beweise wie z. B. über der Wahrnehmungsschwelle von Josef Cap ­liegende Regierungstätigkeit untermauern können. Erfüllt damit allerdings genau die Erwartungen seines Wahlonkels, der ihn einst mit dem Amt betraute, aber seinen über die Jahre lieb gewonnenen unaufgeklärten Absolutismus deswegen wirklich nicht aufgeben wollte. Nun ist der Onkel zwar mittlerweile leider verschieden – aber Faymann ist immer noch gleich.

Josef Pröll
Vizekanzler, der wild entschlossen ist, den Kanzler in drei Jahren zu beerben. Doch, ernsthaft. Hat seine Ankündigung, ein mutiges Budget zu erstellen, entgegen anders lautenden Medien­berichten wahr gemacht – denn das als großen Wurf zu verkaufen, muss man sich erst einmal trauen. Ist mit seinen momentanen Beliebtheitswerten nicht glücklich. Das wird sich aber schlagartig ändern, sowie aktuellere veröffentlicht werden.

Michael ­Spindelegger

Nachdem Schwierigkeiten beklagt wurden, den österreichischen Außenminister bei der letzten UN-Generalversammlung zu lokalisieren: Es ist der, den die längste Zeit alle für einen stummen Diener halten. Und wenn er dann überraschenderweise ans Rednerpult geht und Englisch spricht – für den Weißrussen.

HC Strache

Unaufhaltsam nach oben strebender Popstar unter Österreichs Politikern. Schafft es, jugendliche Pflichtschulabbrecher mit tiefer gelegten Opel Astras, Pensionisten, die sich noch genau an ihre besten tausend Jahre erinnern können, und serbische Freiheitskämpfer, die besser nicht nach Den Haag reisen sollten, gleichermaßen zu begeistern. Selbst Kampfhunde würden ihn wählen. Der immer wieder gegen ihn erhobene Vorwurf der Deutschtümelei ist allerdings weder aus orthografischer noch aus grammatikalischer Sicht haltbar.

Erwin Pröll

Über ihn würde praktisch jeder vom Bezirksbauernkammersekretär in Scheibbs bis zum Trachtenvereinsobmann Niedersulz einhellig ­sagen: The world in Lower Austria is too small for him. Wurde von seiner eigenen Partei daran gehindert, Bundespräsident zu werden, und rächt sich seither mit Wonne am ganzen Land, indem er fortwährend öffentlich unter Beweis stellt, wie Recht seine Partei damit hatte.

Laura Rudas

Sieht zum Glück für sie wesentlich jünger aus als ihre Vorstellung von Politik. Hat aus dem Wahlsieg ihres Mentors vor zwei Jahren den Schluss gezogen, dass die Intelligenz des Wahlvolks generell überbewertet wird, und gießt diese Erkenntnis konsequent in Worte, die für den jugendlichen Pflichtschulabbrecher mit tiefer gelegtem Opel Astra sicherlich recht gut klingen. Er wählt allerdings ­blöderweise trotzdem Strache. Rudas ist derzeit auch die einzige politisch Verfolgte in Österreich: Die reaktionäre Raiffeisenpresse ist hinter ihr her. Hinter wem auch sonst?

Heinz Fischer

Als Bundespräsident im Gegensatz zu seinem Vorgänger ausgesprochen verhaltensunauffällig. Wenn er redet, hört ihm keiner zu – das aber freundlich (auch dies im Gegensatz zu ­seinem Vorgänger). Schaffte seine Wiederwahl trotz der geharnischten Konkurrenz durch eine Rune von einer Frau und einem Christen, gegen den der Papst ein Befreiungstheologe ist. In Idaho würden sie sagen: Wow.

Michael Häupl

Langzeit-Bürgermeister von Wien, der nur deshalb so gelassen eine Koalition mit den Grünen eingegangen ist, weil er sich das Ganze in drei ­Jahren nur mehr vom Schanigarten aus ­ansieht. Es ist auch nicht auszuschließen, dass er dann aufs Land zieht und zum Pendler wird, damit die neue Verkehrsstadträtin eine Sorge mehr hat. Außerdem ist er dann näher bei Erwin Pröll – und das ist aus seiner Sicht wesentlich besser als ­näher bei Franz Voves.

Maria Vassilakou

Die grüne Zweitfrau soll ihre Partei als Regierungspartner salonfähig machen und Eva Glawischnig den Weg zur Vizekanzlerin ebnen. Ersteres könnte man durchaus für realistisch halten. Bei Zweiterem könnte es ohne bewusstseinserweiternde Substanzen problematisch werden. Vassilakou hätte übrigens vergangenes Jahr Ministerin in Griechenland werden können. Nachdem sie aber die ­Herausforderung braucht, blieb sie bei den Grünen.

Josef Bucher

Wer?

ACHTUNG! BREAKING NEWS!
Verena Remler
Die neue Familienstaats­sekretärin. Details folgen, bisher kann man nur eines mit Sicherheit sagen: Dürfte nicht topfit sein, war sie doch das einzige weibliche ­Tiroler ÖAAB-Mitglied, das sich bei der Kandidatensuche nicht schnell genug in die Berge flüchten konnte.

rainer.nikowitz@profil.at