<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Master and Commander

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Master and Commander

Vor der Schlacht um den wichtigsten Politjob der Welt wird es leider keine TV-Konfrontation der zwei strahlendsten Lichtgestalten geben, die ihn haben wollen. Also muss profil einspringen.

Pröll: Werte, Werte … Wenn i des scho hör! Die Niederösterreicherinnen und -innen wissen ganz genau, welche Werte sie zu haben haben. Wenn sie etwa einen Job im Landesdienst wollen. Oder eine Bedarfszuweisung für ihre Gemeinde. Oder irgendeine andere Huld, die ihnen aus der starken Hand des gütigen Landesvaters zuteilwerden soll. Und da brauchen wir ­sicher keinen dahergelaufenen Geldscheißer aus Kanada, der glaubt, er muss da irgendwelche anderen Werte einführen.

Stronach: Dos is genau dos, wos i immer sog: Niederösterreich is a Diktatur.

Pröll: Das ist eine unglaubliche Beleidigung meines aufgeweckten Landesvolkes, das sich mir seit Jahrzehnten völlig freiwillig unterwirft! Und außerdem: Du hast es notwendig, du Basisdemokrat!

Stronach: Erschtens: Net sog du zu mir! Und zweitens: Net sog Basis zu mir!

Pröll: Aber du sagst doch a immer zu alle du.

Stronach: Dos heißt oba no laung net, dass de aundern des a derfen.

Pröll: Aha! Abgehoben is er also, der feine Herr Milliardär! Nicht so ungeheuer volksnah und kumpelhaft wie der Erwin Pröll, der nun wirklich schon jedes noch so stinkerte Zeltfest zwischen Hochkar und Hohenau mit seiner Anwesenheit zum zweiten Opernball geadelt hat!

Stronach: Aber wenn i mir anschau dos Budget von Niederösterreich, dann is eins klar: Du verstehst nix von Wirtschaft.

Pröll: Was? Also, das ist ja wohl die Höhe! Der Erwin Pröll soll nix von Wirtschaft verstehen? I bin ein Spitzenrepräsentant der ÖVP, der einzigen Wirtschaftspartei, die es in Österreich gibt! Oder noch genauer gesagt: I bin die ÖVP! I hab allein die Zahl der Kreisverkehre in Niederösterreich um 628 Prozent gesteigert, seit i im Amt bin. Also wenn des ka Ankurbelung der Wirtschaft is, dann weiß i net.

Stronach: Du haust herum mit dem Geld wie net gscheit! Du kaufst dir de Wähler!

Pröll: Na und? Du doch a!

Stronach: Der Unterschied is nur: Bei mir is es mei eigenes Geld!

Pröll: Siehst du! Genau wegen solcher Haarspaltereien haben die Leute von der Politik dermaßen die Nase voll! Aber eines sag ich dir, mein Freund: Dafür ist der Erwin Pröll nicht zu ­haben. Da mach ich nicht mit.

Stronach: Du hast gmacht de meisten Schulden nach de Kärntner. Und von denen weiß ma jo, dass sie a bissl …, wie sagt ma? A bissl hinich in der Marillen san, net wahr?

Pröll: Jetzt beschimpft er auch noch die braven Kärntner! Na ja, die haben halt net so einen tapferen Landeshauptmann, der sich jederzeit mit zornzerfurchter Stirn und gesträubtem Haarkranz schützend vor sie wirft! Bei ­meinen Niederösterreicherinnen und -innen würdest du dir des nie trauen.

Stronach: Pffft! Probieren wir’s: Wenn sie dir geben wieder de Absolute, dann san sie auch a bissl hinich in der Marillen!

Pröll: Aaaargh! Man bringe mir mein Riechsalz! Und anschließend halte man mich zurück, damit ich mich nicht an diesem Tattergreis vergreife!

Stronach: Kumm nur! I fürcht mi sicher nicht vor dir! I kann Feng-Shui!

Pröll: Das ist sowieso keine Form der politischen Auseinandersetzung, die der Erwin Pröll pflegt. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein sehr umgänglicher Typ bin, der sich jedes Argument anhört und dann nach rein sachlichen Gesichtspunkten entscheidet.

Stronach: Glaubst du eigentlich manchmol wirklich, wos du sagst? Oder weißt du eh, dass jeder Auftritt von dir ist eine einzige B-Movie?

Pröll: Und deine Interviews im Fernsehen san dafür a einzige Sitcom! Wobei ma manchmal gar net richtig lachen kann, weil ma zu sehr mit Fremdschämen beschäftigt ist!

Stronach: Hmm.

Pröll: Was?

Stronach: Eigentlich … Eigentlich haben wir mehr gemeinsam, als wir können zuageben, oder?

Pröll: Na ja. A starker Zug zum Tor …, a gesunde Beratungsresistenz …, ein ziemlich ausgeprägtes Wissen über eh alles … und eine charakterliche Festigkeit, die von Menschen, die nicht über sie verfügen, gerne einmal als unsympathisch diffamiert wird …

Stronach: Eigentlich könntest du sein mei klana Bruader. Wenn du ­würdest was verstehen von Wirtschaft, natürli.

Pröll: I mein, wir könnten ja … Wenn i wirklich de Absolute verlier – wie wär’s mit einer Koalition?

Stronach: I hob kein Problem, wenn du bist Landeshauptmann unter mir … Also: Derfst sagen du zu mir. I bin the Frank.

Pröll: Und i bin der Erwin. Und meine ganz engen Freunde dürfen mich auch „Gott“ nennen.

Stronach: Lustig! Meine auch!

rainer.nikowitz@profil.at

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