Rainer Nikowitz: Nationalrational

Rainer Nikowitz: Nationalrational

Wie funktioniert das eigentlich, wenn Nationalisten international zusammenarbeiten? Logischerweise: begrenzt.

Strache: Liebe Freunde, ich freue mich, dass ihr alle zu diesem Treffen gekommen seid, bei dem wir erörtern wollen, wie die europäische Entwicklung vom ungesunden Miteinander zum klugen Nebeneinander weitergehen soll. Aber zuerst möchte ich einen Stargast in unserer Runde begrüßen. Jenen Mann, dem es zu verdanken ist, dass die natürliche Begrenztheit, für die jeder Einzelne in unserer Runde steht, endlich wieder zum Maß aller Dinge wird. Was Gott durch den Ärmelkanal getrennt hat, soll der Mensch nicht vereinen, nicht wahr, Nigel? Aber ich muss dich gleich etwas fragen: Ich würde ja nicht einmal zurücktreten, wenn man mir in der Partei draufkommt, dass ich am liebsten türkischen Honig nasche. Also, warum hast du das getan?

Farage: Guten Tag, guten Tag – ich will mein Leben zurück!
Petry: Ah! Ein deutsches Lied. Von „Wir sind Helden“. Dem Namen nach muss das ein Landserchor sein, denke ich.
Le Pen: Ich persönlich würde ja „Je ne regrette rien“ bevorzugen. Oder von mir aus auch „Sur le pont d’Avignon“. Hauptsache Französisch.
Wilders: Da muss ich jetzt aber anmerken, dass es auch sehr schönes holländisches Liedgut gibt.
Petry: Aber Geert! Wir sind uns doch wohl einig, dass Holländisch nicht wirklich als Sprache durchgeht. Das klingt doch wie Deutsch mit schwerer Nebenhöhleneiterung.

Farage: Ich hab das Lied von meiner Frau. Die ist ja Deutsche.
Petry: Darüber wollte ich ohnehin mit dir reden. Bei allem interpatriotischen Respekt, aber ich finde nicht, dass gerade wir uns mit unserer Vorbildfunktion zu Mischehen hinreißen lassen sollten.
Farage: Aber ich liebe meine Frau!
Petry: Liebe, Liebe – das ist doch im Kern nur ein weiterer linker Anschlag auf die Unversehrtheit des Volkskörpers. Wenn die deutsche Frau vom Ausländer weggeheiratet wird, wird der deutsche Mann des ihm zugedachten Gefäßes beraubt, in das er seine von Abermillionen zukünftiger Reindeutscher geschwollenen Samenstränge hineinerleichtern kann. Und dann ist er gezwungen, nach Thailand zu fahren, sich dort eine Mei Ling zu kaufen und nach Castrop-Rauxel zu importieren. Somit kommt zum rasseunreinen Kopulieren auch noch der Kapitalabfluss in Richtung gelber Gefahr hinzu.

Strache: Könnten wir bitte zum Thema zurückkehren?
Le Pen: Sehr richtig! Wen interessieren schon deutsche Probleme? Wichtig ist einzig und allein, dass Frankreich wieder den Franzosen gehört. Eine Nation, allein, frei, stolz – und endlich wieder groß.
Wilders: Aber dazu habt ihr doch eigentlich viel zu viele Schulden.
Le Pen: So? Aber wenigstens essen wir unsere frites nicht mit Mayonnaise.
Farage: Also bitte! Wie nun wirklich jeder weiß, spricht überhaupt nichts gegen Mayonnaise auf den fries. Natürlich nur, soferne auch noch fetter, labbriger Fisch dabei ist.
Petry: Eure Sorgen hätte ich auch gern. Bei uns sorgt Mei Ling dafür, dass über kurz oder lang nur mehr Hühnerfüße frittiert werden. Und während wir die angeekelt runterwürgen, schaut auch noch Boateng über den Zaun.

Strache: Sei nicht so wehleidig. Wir haben auch einen Murl in der Nationalmannschaft.
Le Pen: Einen? Lachhaft! Wir haben fünf oder sechs.
Petry: Aber ihr gewinnt wenigstens.
Farage: Wenn hier noch weiter über Fußball gesprochen wird, sehe ich mich angesichts der jüngsten Erfolge des englischen Teams gezwungen, das als feindlichen Akt zu betrachten und die diplomatischen Beziehungen abzubrechen.
Petry: Das muss nach dem Brexit doch ohnehin der nächste Schritt sein. Die Zeit, die wir mit diplomatischen Beziehungen verschwenden, können wir viel sinnvoller nützen.
Le Pen: Sehr richtig! Zum Beispiel, um Französisch zu lernen. Da jetzt Englisch endlich wegfällt, sollten ja wohl alle die neue Amtssprache der EU beherrschen.

Strache: Ach komm! Die kann nur Deutsch sein. Frauke und ich sind mehr.
Le Pen: Na und? Wir sind aber schöner.
Petry: Außerdem willst du doch einen Frexit!
Le Pen: Schon. Aber wenn die Abstimmung danebengeht, müssen wir vorbereitet sein.
Wilders: Ich lern sicher nicht Französisch. Da könnte ich ja gleich Belgier werden. Und bevor ich das werde, schieße ich mir lieber ins Knie.
Le Pen: Das kann auch unsere Fremdenlegion erledigen, wenn du willst.

Strache: Ha! Typisch Frankreich. Nicht einmal kämpfen können sie selber.
Petry: Was ist das Erste, das französische Soldaten in der Grundausbildung lernen? In zehn Sprachen zu kapitulieren! Haha!
Le Pen: Ich habe verstanden. Ich gehe jetzt.
Farage: Ich auch.
Wilders: Gut. Gehen wir gemeinsam?
Le Pen: Niemals! Maximal hintereinander.
Strache: So, Frauke, dann bleiben nur noch wir. Was mach ma jetzt?
Petry: Frag nicht so doof, Schluchtenscheißer!

rainer.nikowitz@profil.at