Rainer Nikowitz: 15 Nullen. Mindestens.

Rainer Nikowitz: 15 Nullen. Mindestens.

Sie werden alles tun, um ihn zu verhindern. Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist. Und unter uns. Und ganz bei sich. Und so.

Wir würden uns noch wundern, was alles möglich sei, prophezeite bekanntlich Nostradabert Gerwald Hofer einst düster. Und siehe da – es stimmt. Auf seiner Facebook-Site tat er jüngst kund, er werde CETA nicht unterzeichnen. Das Abkommen werde also scheitern, wenn er die Wahl gewinne. Möglich, dass er das tatsächlich glaubt. Und eh schon bekannt. Aber der interessantere Teil des Postings kam erst danach: „Nun wird der Druck auf mich noch größer werden. Sie werden alles tun, um mich zu verhindern. Es geht um ein Billiardengeschäft.“

Hmm. Zäumen wir dieses Pferd vielleicht einmal von hinten auf. Eine Billiarde ist tatsächlich verdammt viel. Also natürlich nicht so viel wie eine Quattuordezillion oder eine Alphacentaurilliarde, aber trotzdem. Mag sein, dass 15 Nullen einem innerhalb der FPÖ Sozialisierten nicht weiter außergewöhnlich vorkommen, aber für uns Normalsterbliche ist das schon sehr erschreckend. Eine Million Milliarden! Da hätten zum Beispiel die Griechen irgendwann im mittleren Pleistozän mit dem Schuldenmachen anfangen müssen, damit sich das ausgeht (Wobei: Haben sie wahrscheinlich eh. Man kennt die ja.)

Aber der Mann, dem halb Österreich vertraut, wollte mit dieser ihm vermutlich ob des sich verstärkenden Drucks leicht entglittenen Zahl wohl nur drastisch vor Augen führen, was sie alles mit uns aufführen, solange niemand – nämlich er – sie daran hindert. Also nicht Sie. Sondern sie. Die, die alles tun werden, um ihn zu verhindern. Wer sie sind, wurde leider nicht näher ausgeführt. Wir können also nur mutmaßen. Zuerst einmal kommen natürlich die üblichen, sattsam bekannten Geheimbünde infrage. Bilderberger; Illuminaten; Sodomiten, die Analsex mit minderjährigen Fruchtfliegen schon längst zu einem Pflichtgegenstand in der Volksschule gemacht hätten, wenn es mit der FPÖ nicht ein allerletztes Bollwerk dagegen gäbe. Und so weiter. Allerdings fußte Hofers bisheriger „Kevin allein zu Hause“-Wahlkampf ja eher darauf, dass eigentlich überhaupt alle gegen ihn seien. Also, bis auf die, die für ihn sind. Aber sonst bitteschön: alle!

Nun hat aber CETA in Österreich ähnliche Beliebtheitswerte wie eine unmittelbar bevorstehende Lepra-Pandemie. Ein Politiker, der sich öffentlich rückhaltlos zu CETA bekennt, ist entweder sehr mutig oder Reinhold Mitterlehner („A scho wurscht!“). Man könnte im selben Atemzug bekennen, dass man vor Ministerratssitzungen immer Crack rauche und nachher gegrillte Katzenbabys lunche – hängen bliebe trotzdem nur, dass man eine billige Konzernnutte ist. Van der Belllen ist dagegen. Eine Dreiviertelmehrheit im Land, aufgefächert von ganz links bis nach ganz rechts, ist dagegen. Wer also erhöht den Druck auf unseren Robin Hood vom Pinkafeld Forest? Wer tut wegen CETA alles, um ihn zu verhindern? Matthias Strolz? Hui!


Nur weil Stephen Hawking A sagt, darf Harald Vilimsky nicht B sagen? Beim Arzt holt man sich ja auch eine zweite Meinung!

Gut, vielleicht haben rechte Politiker ohnehin immer weitaus mehr Druck, als wir alle miteinander ahnen. Im EU-Parlament in Straßburg hatten zwei Abgeordnete der UKIP, also der britischen FPÖ, scheinbar dermaßen viel davon, dass einer den anderen beinahe totgeschlagen hätte. Also ehrlich jetzt: Hätten da unter zivilisierten Rechten ein paar Hasspostings nicht auch gereicht? Worum es bei der Auseinandersetzung unter richtigen Männern genau ging, ist nicht letztgültig geklärt. Möglicherweise hatte einer gesagt: „Weißt du was? Ich glaube, den Klimawandel gibt es wirklich.“ Und prack.

Für die ganz Rechten existiert der von Menschen verursachte Klimawandel ja nicht. Ja, möglicherweise wird es schon wärmer, aber das war früher auch schon immer wieder einmal so und ist ganz normal. Die Abgeordneten der FPÖ im EU-Parlament stimmten also vergangene Woche logischerweise auch gegen das Klimaschutzabkommen von Paris. Ob es nun Donald Trump ist oder Geert Wilders oder Susanne Winter, es sind sich alle einig, dass diese ganze lächerliche CO2-Kiste eine Verschwörung ist. Von wem gegen wen und vor allem warum, ist eine ziemlich komplizierte Sache, die keiner von ihnen an die ganz große Glocke hängen will – um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. Nur so viel: Es geht um Billiarden. Mindestens. Und die Bilderberger hängen klarerweise mit drin.

Und kommen Sie mir – also Sie, nicht sie – jetzt nicht mit postfaktisch. Das ist ein blödes Modewort, das eh keiner versteht. Damit will das System nur den freien Bürger unterdrücken. Nur weil Stephen Hawking A sagt, darf Harald Vilimsky nicht B sagen? So weit kommt’s noch! Beim Arzt holt man sich ja auch eine zweite Meinung!

Und zu guter Letzt: Christian Höbart, FPÖ-Nationalrat mit großer Höhlenmensch-Expertise, muss sich in Bälde wegen Urkundenfälschung vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, bei der niederösterreichischen Gemeinderatswahl eine Kandidatenliste manipuliert zu haben. Wie gesagt: zu guter … Verdammt. Ich glaub, ich hab gerade ein Déjà-vu.

rainer.nikowitz@profil.at