<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Protokollchefs

Die Veröffentlichung der Meischberger-Abhörprotokolle bedeutete keineswegs, dass plötzlich die Handys ruhten …

Meischberger: Servas, i bin’s. Hast scho glesen?
Grasser: Scho glesen? Ha? Ah, jetzt versteh i! A Umfrage! Dos is dos erste Mal, doss i bei so was drankumm! Also, mei Antwort is: Nein. Noch nie.

Meischberger: Koarl-Heinz! I bin’s! Der Meischi! Ob du unsere Abhörprotokolle scho in der Zeitung glesen hast, will i wissen! Wie deppert mir jetzt dastehen! Und was mir um Himmels willen tun sollen!
Grasser: Jessas na! Falsch verbunden! Ganz fürchterlich falsch! Ich kenne Sie nämlich gar nicht! Und das ist außerdem der Anschluss von …, von …, von einem anderen wahnsinnig gut aussehenden Mann, von George Clooney nämlich, jawohl! Hinterlassen Sie nach dem Signalton bloß keine Nachricht. Piep!

Meischberger: Geht’s no einigermaßen? Wie sollt i denn bitte an de Nummer vom George Clooney kemman?
Grasser: Na, da würd ich mir a bisserl anschauen, verstehst, in welchen Ländern ist der Clooney. Da würd ich halt a bisserl eine Recherche machen. Dos sieht ma eh im Internet. Und jetzt: Piep!

Meischberger: I glaub, i hab grad a Déjà-vu.
Grasser: Ich auch! Ständig rufen Sie mich an, obwohl ich Sie überhaupt nicht kenne. Stalking ist das, jawohl! Aber da haben Sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht!

Meischberger: Na geh! Scho wieder ane? Dann musst mir sagen, was glaufen is. Was hab i zsammbracht?
Grasser: Heast, du Koffer! Jetzt halt endlich den Rand! De hören di sicher immer no ab!
Meischberger: Ah so! Äh … Hello, George! We ran out of capsules up there!

*

Meischberger: Stell dir vor, was mir grad Komisches passiert is. Will ich ganz harmlos einen Freund anrufen, um a bissl über die alten Zeiten zu plaudern – und was passiert? Hatte ich Kontakt mit dem Clooney!
Plech: Nein, hattest du nicht. Du net. Du hast keinen Kontakt gehabt.

Meischberger: Aber i schwör, i hab ihn grad in der Leitung ghabt. Dos musst du mir glauben. Dos muss mir jeder glauben!
Plech: Das kann i mir beim besten Willen net vorstellen. Aber dei Leitung is ja in letzter Zeit sowieso ziemlich im Arsch gwesen, oder?
Meischberger: I woaß nit, i versteh di irgendwie so schlecht. Was hast no amol gsagt? Wo war mei Leitung?

*

Fiona: Darling, unser Vermögensverwalter …, also nein, mein Vermögensverwalter, weil du hast ja kein …, na ja, is ja auch egal jetzt. Also jedenfalls hat der mir grade ein paar Kontoauszüge gezeigt. Von den Konten in …, na, wie heißt das schnell? Krokodil … Nein. Alligator?
Grasser: Cayman.

Fiona: Ja! Ich wusste, es war irgendwas mit Fischen. Jedenfalls sind da 800.000 Euro überwiesen worden. Hast du vielleicht irgendeine Ahnung, wo die herkommen? War das das Pfandgeld für die Champagnerflaschen? Oder die Kaviar-Sammelmarken-Rückvergütung?
Grasser: Da bin i jetzt supernackert.
Fiona: Ah ja, genau! Das war’s!

*

Meischberger: Du, warum i di anruf! Du woaßt doch, doss i a kloanes Problem hab im Moment. Wie hast du dos eigentlich damals gmacht? Woaßt eh, de Gschicht, wo s’ dann bei dir gstierlt ham …
Rumpold: Dieser Anruf kostet Sie 284.000 Euro pro Minute.
Meischberger: Stimmt. Jetzt erinner i mi wieder.

*

Grasser: Tut mir leid, dass ich dich stör beim Zehenspielen. Ich würd dich auch nicht anrufen, wenn’s net dringend wär.
Schüssel: Was mi betrifft, kann i nur sagen: Solang des Wort „Eurofighter“ in keinem Abhörprotokoll steht, isses net wirklich dringend.

Grasser: Na ja. Jetzt steht’s drin.
Schüssel: Fein. Und du warst einmal mein Zeitpfeil der Hoffnung.

Grasser: Was i scho alles war in meiner glanzvollen Karriere. Aber was i sagen wollt: Es wär wegen einem Alibi.
Schüssel: Für welche Zeit?

Grasser: Von 2000 bis 2006.
Schüssel: Wart, i schau in meine Aufzeichnungen … Ja. Da hamma’s. Da war ich z’ Haus und hab mit meiner Frau ferngschaut.

Grasser: Ich hätt ursprünglich mehr an a Alibi für mich gedacht.
Schüssel: Uije. Jetzt schnappt’s ab.

*

Grasser: Wie ist es denn eigentlich so in der U-Haft?
Meinl: Warum fragst?

Grasser: Weil i mi ehrenamtlich für Amnesty International engagieren möchte wahrscheinlich. Himmel, war­um wohl??
Meinl: Nicht unbedingt angenehm. Aber zum Glück nix, was ma net mit 100 Millionen aus der Welt schaffen könnt.
Grasser: Hab i dir schon einmal erzählt, wie unglaublich teuer diese Homepages heutzutag sind?

rainer.nikowitz@profil.at