<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Schwarz, wild

Mit dem neuen Chef Michael Spindelegger wird in der ÖVP personell kein Stein auf dem­ ­anderen bleiben. Hier die nackten Fakten: Wer was wird und warum nicht.

Maria Fekter wird das Innenministerium verlassen. Sie hatte die Wahl zwischen dem Justizministerium, dem Finanzministerium und einem lukrativen Auslandsangebot als Verhörspezialistin in Guantanamo. Bei Letzterem machte ihr dann allerdings ihre feminine Note doch noch einen Strich durch die Rechnung. Gegen das Justizministerium sprach, dass unser Warmduscher-Strafgesetzbuch auch die Möglichkeit des Freispruchs kennt. Und gegen eine Finanzministerin Fekter sprach an sich, dass Erwin Pröll gerne einen Niederösterreicher auf diesem Posten gesehen hätte, der beim Wort „Finanzausgleich“ sofort traumwandlerisch das Richtige denkt. Jetzt, da Fekter offenbar sicher in die Himmelpfortgasse übersiedelt, steht zumindest einmal eines fest: Fremdwährungen werden es zukünftig nicht leicht haben.

Claudia Bandion-Ortner
wird einerseits im Justizministerium ziemlich große Fußstapfen hinterlassen und andererseits möglicherweise als Gerichtspräsidentin in der Metropole Krems neue anlegen. Nachdem sie dann als Beute-Niederösterreicherin gelten kann, steht einer Rückkehr in die Regierung in der nächsten Legislaturperiode aber nicht wirklich viel im Weg. Oder die Frau mit den brüllenden Brillen schlägt doch den Weg ins Showbusiness ein und übernimmt die Rolle der Dame Edna neben Robert Hartlauer.

Verena Remler
hat es dem Vernehmen nach ohnehin schon satt, dass sie auf der Straße dauernd von wildfremden Menschen um ein Autogramm gebeten wird – weil sie sie für Nicole Hosp halten. Sollte sie tatsächlich wieder in ihren Lienzer Schweigeorden zurückkehren, wird die Nachbesetzung des Familienstaatssekretariats aufgrund der sicherlich nach wie vor geltenden Kriterien – Tirol, ÖAAB, Frau – nicht ganz einfach werden. Möglicherweise sollte sich Andreas Khol rechtzeitig um das eine oder andere luftige Sommerkleidchen umschauen.

Fritz Kaltenegger
wird wohl von seinem Posten im Generalsekretariat abberufen werden, war man doch mit seinem Management der Parteizentrale in letzter Zeit nicht völlig zufrieden. Wahrscheinlich hätte er Ernst Strasser noch ein bisschen länger verteidigen sollen. Zurück nach Kärnten kann man Kaltenegger aber nicht schicken, das lässt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sicher nicht zu. Die Strafe wird vermutlich dennoch drakonisch ausfallen: Als Landwirtschaftsminister oder Innenminister kann er dann lang darüber nachdenken, was er da wieder angestellt hat.

Karlheinz Kopf
könnte ein ähnliches Schicksal erleiden, er wird wahrscheinlich den Klubobmannstatus verlieren. Man fordert eben als Angehöriger zweier Minderheiten – als Alemanne und Wirtschaftsbundmitglied – nicht ungestraft, dass die Abgeordneten, von denen einige sogar aus Niederösterreich kommen, mehr arbeiten sollen. Auch er könnte darob zu mindestens zwei Jahren Innenministerium bei Wasser und Brot verdonnert werden. Oder er geht zurück
in den Wirtschaftsbund und macht sich dann abwechselnd
mit Christoph Leitl turnusmäßig Sorgen zur Lage der Nation.

Reinhold Lopatka
, bisher als Staatssekretär im Finanzministerium, nun ja, tätig, wird überhaupt wegrationalisiert, weil der neue Vizekanzler ja Außenminister ist. Das ist natürlich ein harter Schlag für alle Steirer, die allerdings vermutlich dann wenigstens zum neuen Generalsekretär Christoph Drexler aufschauen können. Für Lopatka böte sich ein Job im ÖBB-Management an, zum Beispiel als Andreaskreuz beim unbeschrankten Bahnübergang Rottenmann. Oder, wenn sich das nicht ausgeht, wenigstens eine Jahreskarte und die Ehrenmitgliedschaft in der Eisenbahnergewerkschaft.

Reinhold Mitterlehner
wird genauso fast Finanz­minister wie er fast Parteivorsitzender und fast Vizekanzler geworden ist. Als Oberösterreicher ist man eben nur fast Niederösterreicher – wobei man mit Erwin Pröll über eine kleine Ausweitung der Landesgrenzen sicherlich reden könnte, da ist er nicht so.

Nikolaus Berlakovich
könnte Landwirtschaftsminister bleiben. Falls doch nicht, macht er den Flugbegleiterberuf endgültig zum Sweat-Job – er löst dann nämlich seine Vielfliegermeilen ein.

Beatrix Karl
könnte das Wissenschaftsministerium verlassen und statt Fritz Neugebauer Zweite Nationalratspräsidentin werden. Nachdem Neugebauer dieser plötzliche Machtverlust – er hätte dann nur mehr 13 Funktionen – empfindlich schmerzen wird, darf er sich den Nachfolger von Karl im Ministerium aussuchen. Sollte er für seinen ersten Wunschkandidaten – die Staumauer des Kraftwerks Kaprun – keine Mehrheit finden, wird es wohl Werner Amon werden. In Oxford und Harvard sind sie angeblich schon voll nervös.

Michael Spindelegger
schließlich wird, wenn er mit der programmatischen Schärfung der ÖVP fertig ist – er setzt hier sensationellerweise auf Leistung, Familie und christlich-soziale Werte –, nicht nur Parteichef, Vizekanzler und Außenminister, sondern auch Spitzenkandidat mit Erfolgsgarantie: Erwin Pröll wählt ihn auf jeden Fall.

rainer.nikowitz@profil.at

Rainer Nikowitz & Florian Scheuba: „Land in Sicht“, 6.5., Rabenhof, Wien.