<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Stop Over

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Stop Over

Nach der überraschenden Landung des boli­vianischen Präsidenten Evo Morales in Wien hatten unsere Staats­spitzen einige hochnotpeinliche Stunden zu überstehen.

Fischer: So guat gschlafen hätt i heut. Und des is net selbstverständlich in mein Alter!

Spindelegger: Wie lang si des jetzt scho ziagt, heast … I weiß scho nimmer, was i mit eam reden soll.

Dolmetscherin: Soll ich das auch übersetzen?

Spindelegger: San S’ arg? Dann spielt’s Granada!

Dolmetscher: Präsident Morales sagt, nicht Granada. Er wollte auf Gran Canaria tanken.

Spindelegger: Jaja. Aber Dschibuti wär uns noch lieber gwesen. I hab mir des nämlich genau angschaut im Österreichischen Schulatlas von 1968: Wenn ma mit dem Lineal an Strich zwischen Moskau und La Paz macht – der geht überhaupt net über uns drüber! Also warum landet der net woanders?

Fischer: 1968! Gutes Stichwort! Damals haben wir uns schon einmal heldenhaft gegen den amerikanischen Imperialismus aufgelehnt! Und des sollten wir jetzt wieder tun. Weil wir san doch kane Bütteln einer offensichtlich vollkommen durchgedrehten Supermacht, die die Grundrechte und die diplomatischen Gepflogenheiten mit Füßen tritt!

Spindelegger: Sowieso! Weißt, was i zu dem amerikanischen Botschafter gsagt hab am Telefon? „Und wie, bitte, stellen Sie sich das vor“, hab i gsagt. „Ich marschier aufs Rollfeld, steig in die Maschin von dem Morales und ruf: ‚Na, Burschen, alles senkrecht bei euch?‘ Und wenn ich schon einmal da bin: ‚Is vielleicht zufällig Mr. Snowden in the house?‘“

Fischer: Sehr gut gebrüllt! Und was hat er dann gsagt?

Spindelegger: Ja.

Fischer: Aha. Naja. Fragen wird man ja no dürfen, oder?

Dolmetscherin: Ich nehme an, ich soll wieder nicht übersetzen.

Spindelegger: Sie san a Blitzgneißerin, was?

Dolmetscherin: Es ist ja nur, weil Präsident

Morales: mich dauernd fragt, worüber Sie reden.

Fischer: Wir müssen eam a bissl beschäftigen, dem is ja scho fad … Also, lieber Evo, mir kannst es ja sagen, i bin schließlich der Heinzi von der Sozialistischen Internationale, weißt eh: Is dieser Snowden jetzt in deinem Flieger oder net?

Dolmetscherin: Präsident Morales sagt: Das geht den Heinzi von der Sozialistischen Internationale genau gar nichts an.

Fischer: Na dann is ja alles in Butter!

Spindelegger: Des wird dem Obama aber eher net reichen.

Morales: : Hijo de puta madre!

Dolmetscherin: Präsident Morales sagt …

Fischer: Danke. Des hamma verstanden.

Spindelegger: I wollt ja eigentlich scho den Berlakovich da herschicken.

Fischer: Wieso? Wegen seinen Erfahrungen mit einem gesperrten französischen Luftraum?

Spindelegger: Weil der Morales doch auch ein Bauer is. Da wär der Niki für den diplomatischen Smalltalk fast besser gwesen. Hätt eam fragen können, was sie in Bolivien gegen den Cocawurzelbohrer spritzen und so.

Fischer: Ja. Des diplomatische Geschick vom Berlakovich is ja legendär … Du, aber: Was sagt eigentlich der Werner zu dem Ganzen?

Spindelegger: Na, was scho. Nix.

Fischer: Ah eh.

Dolmetscherin: Präsident Morales hätte gern noch einen Kaffee.

Spindelegger: Der spanische Botschafter auch! Aber der will ihn nur in der Maschine trinken.

Morales: : Hijo de puta madre!

Spindelegger: Früher hab i mir de Diplomatie immer irgendwie anders vor¬gstellt.

Fischer: Was mach ma nur? Wir können eam do net ewig da sitzen lassen. Da Snowden am Moskauer Flughafen, der Morales auf unsern … Was is des für a neue Mode? Des Meldeamt wird schee schauen.

Spindelegger: Aber jetzt stell dir einmal vor, der Snowden sitzt gar nimmer in Moskau, sondern wirklich da draußen am Rollfeld. Was tamma denn dann?

Fischer: Aufs Klo gehen und durt des Ende der Amtsperiode abwarten?

Spindelegger: Ob er uns net vielleicht einfach so kurz in des depperte Flugzeug eineschauen lasst? Freiwillig?

Fischer: Des lasst er si nie gfallen.

Spindelegger: Wer weiß … Fragen Sie ihn doch einmal Folgendes: Was wär, wenn ein Flughafenpolizist zu dem Flieger geht, draußen laut bis 30 zählt und dann schreit: „Ich komme!“ Und dann macht er einen kurzen Blick eine und verzupft si wieder?

Dolmetscherin: Präsident Morales ist dagegen.

Fischer: Hab i dir ja glei gsagt.

Dolmetscherin: Der Mann soll bis 50 zählen.

Spindelegger: Super! Wir schicken auch den Ältesten. Und nehmen ihm vorher die Brille weg!

Fischer: I ruf den Werner an und sag eam, dass der Fall geklärt is. Und vor allem: Wie!

Spindelegger: Des tät i net machen.

Fischer: Wieso net? Der wird si freuen, dass der Kelch an eam vorübergangen is.

Spindelegger: Und was wird die NSA dazu sagen, wenn sie hört, dass wir gar net richtig nachgschaut ham?

Fischer: Du meinst, die hören mich auch ab? Hijos de puta madre!

Morales: : Ah! Bienvenido al club, compadre!

rainer.nikowitz@profil.at