<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Teelicht

Nach dem Erfolg ihrer „Tea Party“ bei den amerikanischen Midterm Elections bereitet sich Sarah Palin zum Sturm auf das Weiße Haus vor.

profil: Frau Palin …
Palin: Was für eine herrliche Aussicht Sie hier haben! Sie sehen ja fast so weit wie ich von meinem Haus in Alaska. Ist das da hinten dieser Himalaya?

profil: Der Hundsheimer Kogel.
Palin: Wusste ich’s doch! Schon majestätisch, was Gott so geschaffen hat, nicht wahr?

profil: Warten Sie, bis Sie erst das Leithagebirge sehen.
Palin: Ich liebe die Berge. Wobei, manchmal ist es natürlich auch schade, dass Sie im Weg stehen und den freien Blick behindern. Ich habe erst unlängst mit Glenn Beck darüber diskutiert, dass man, wenn die ganze Welt eine Ebene wäre und man auf eine Leiter steigt und sehr angestrengt in die Ferne schaut, sich eigentlich selbst von hinten sehen müsste.

profil: Ein faszinierender Gedanke.
Palin: Wobei das natürlich nur funktionieren würde, wenn die Erde nicht doch eine Scheibe ist. Da sind wir uns in der Tea Party intern auch noch nicht ganz einig. Aber es wäre jedenfalls praktisch, weil man dann zum Beispiel den Müll einfach über die Kante kippen könnte. Da würde man viel sparen und könnte wieder die Steuern senken. Tolle Idee! Die muss ich mir merken für meine Präsidentschaftskampagne 2012.

profil: Sie werden also bei der nächsten Wahl gegen Barack Obama antreten?
Palin: Wissen Sie, Ronald Reagan hat diesen Stalin nicht über den Haufen geknallt, damit wir jetzt zulassen, dass unser Land von einem anderen Kommunisten geradewegs in den Abgrund geführt wird.

profil: Äh, ich glaube, da haben Sie jetzt etwas durcheinandergebracht.
Palin: Nein, sicher nicht. Geschichte ist mein Steckenpferd. Neben Geografie natürlich.

profil: Was ist denn zum Beispiel an Obamas Krankenversicherung für alle so kommunistisch?
Palin: Na, das ist doch wohl klar: Sie ist für alle.

profil: Ach so. Das hätte mir eigentlich auffallen müssen.
Palin: Und wer denkt an die Gesunden? Die müssen zahlen und haben nichts davon.

profil: Dafür können sie sich freuen, dass Sie gesund sind.
Palin: Freuen? Ja, klar. Und dann kommen sie auf der Straße an einem Kerl vorbei, der nach einem Herzinfarkt gerade von einem Arzt wiederbelebt wird, und müssen sich denken: Und das alles um meinen sauer verdienten Dollar.

profil: Entsetzlicher Gedanke.
Palin: Sie sagen es. Und wenn ganz viel Pech im Spiel ist, dann ist der Kerl mit dem Herzinfarkt auch noch Biologielehrer und verdirbt hauptberuflich Kinder mit der kommunistischen Evolutionstheorie.

profil: Der von Darwin und Engels.
Palin: Yep! Ich würde ja gleich an meinem ersten Tag im Amt dafür sorgen, dass die beiden Einreiseverbot bekommen. Ebenso wie alle diese Wettertypen, die uns mit dieser Klimalüge unsere Pick-ups verbieten wollen. Das sind antiamerikanische Umtriebe, die im Keim erstickt werden müssen.

profil: Wenn es keinen Klimawandel gibt, wieso wird dann das Polareis immer weniger?
Palin: Dafür gibt es doch tausend mögliche Erklärungen! Vielleicht ist es bei den Eskimos modern geworden, Whiskey on the rocks zu trinken. Oder es stecken wieder einmal die Kommunisten dahinter.

profil: Ja. Das klingt total plausibel.
Palin: Das ist ja genau die Stärke der Tea Party: Wir haben einfach die besten Argumente.

profil: Wie würden Sie denn Ihre zukünftige Außenpolitik umreißen?
Palin: Nun, diesbezüglich stelle ich mir schon lange die Frage, wozu man eigentlich so ein tolles Arsenal von Atomwaffen hat, wenn man sie nie benutzt. Werden die Dinger nicht irgendwann einmal schlecht, wenn sie nur rumliegen? Ist doch schade drum!

profil: Wen würden Sie denn gern bombardieren?
Palin: Nun, Südkorea würde sich zum Beispiel stark aufdrängen.

profil: Nordkorea.
Palin: Na gut, wie Sie wollen – dann die eben auch. Geht ja wohl in einem Aufwasch.

profil: Und Ihr wirtschaftspolitisches Konzept, wie sieht das aus? Wie würden Sie die Krise bekämpfen?
Palin: Ganz einfach: Steuern senken und beten.

profil: Wissen Sie, in Europa dachten wohl die meisten, nach George W. Bush sei eigentlich keine Steigerung mehr möglich. Aber wenn man sich vorstellt, Sie könnten tatsächlich Präsidentin werden …
Palin: Wow, danke. Ich wusste gar nicht, dass ich über dem Teich so viele Fans habe. Ich werde mich in Zukunft öfter mal auf eine Leiter stellen und rüberwinken.

profil: Das wird Ihren Fans sicher ein fröhliches Lächeln auf die Lippen zaubern.
Palin: In welche Richtung muss ich denn da noch mal schauen?

profil: Nach Osten.
Palin: Hören Sie, keine Spitzfindigkeiten jetzt! Rechts oder links?

rainer.nikowitz@profil.at