<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Unter Haien

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Unter Haien

Gabi Burgstaller, von den Finanzmärkten attackierte Antikapitalistin, im erschütternden, nie geführten Interview.

profil: Frau Landeshauptfrau, können Sie mir erklären, was ein Derivat eigentlich ist?
Burgstaller: Wollen Sie mich jetzt interviewen oder Trivial Pursuit mit mir spielen? Ein wenig mehr Ernsthaftigkeit wäre angesichts der misslichen Lage, in die eines der schönsten Länder der Welt unglücklicherweise geraten ist, doch angebracht, finden Sie nicht?

profil: Nun ja, ich dachte nur, wenn man als Sozialdemokratin schon unbedingt mit den bösen Buben auf den Finanzmärkten spielen will, dann sollte man vielleicht wissen, in welcher Sportart man antritt.
Burgstaller: Das wissen wir schon, keine Sorge. Sie brauchen jetzt nicht zu glauben, dass wir Landespolitiker alle auf der Nudelsuppe dahergeschwommen sind.

profil: Das würde angesichts des Gruppenbilds einer Landeshauptleutekonferenz sicherlich niemand auch nur im Entferntesten zu denken wagen! Aber was ist denn jetzt ein Derivat?
Burgstaller: Wir Sozialdemokraten sind jedenfalls immer und überall ganz entschieden gegen Spekulation, das sag ich jetzt ganz ehrlich.

profil: Und weil Sie so dermaßen dagegen sind, haben Sie beschlossen, sich quasi ins Hauptquartier der dunklen Mächte einzuschleusen und den Feind von innen her anzugreifen.
Burgstaller: Nun ja … Wenn man die entgrenzten Finanzmärkte an die Kandare nehmen will, dann ist es sicherlich hilfreich, wenn man sie aus nächster Nähe beobachtet.

profil: Und ihnen, um die Tarnung zu perfektionieren, auch noch gleich ordentlich viel Geld schuldet.
Burgstaller: Am Salzburger Beispiel sieht man ja exemplarisch, wie gewissenlos diese Märkte agieren: auf der einen Seite eines der, wie ich glaube ich noch nicht erwähnt habe, schönsten Länder der Welt. Unschuldig, rein, rotbackig. Und auf der anderen Seite: zähnefletschende Haie, grausame Monster, auf der Suche nach dem nächsten arglosen Opfer, das nichts anderes im Sinn hat, als mit seinen wenigen vom Mund abgesparten Euros ein bisschen die soziale Kälte zu mildern und für mehr Gerechtigkeit in dieser turbokapitalistischen Wüste zu sorgen.

profil: Ja, da haben Sie wohl Recht. Nicht zuletzt deshalb hat ja wohl Michael Häupl sofort nach Bekanntwerden der Salzburger Misere ein Bundesgesetz gefordert, in dem Spekulationen mit Steuergeld verboten werden.
Burgstaller: Das ist sicher gut und richtig. Und es zeigt wieder einmal, auf welcher Seite die SPÖ hier steht: auf der richtigen!

profil: Natürlich. Und dass Wien mit seinen eigenartigen Cross-Border-Leasings und den Frankenkrediten auch gehörig unter Wasser ist, spielt in diesem Fall ja keine Rolle.
Burgstaller: Na ja, aber Entschuldigung schon: Jeder Häuslbauer hat einen Frankenkredit. Das ist ja bitte keine Spekulation.

profil: Aber woher denn! Diese Einsicht hat sich in den vergangenen Jahren auch bei ganz vielen Häuslbauern durchgesetzt.
Burgstaller: Und schließlich sind das reine Buchverluste. Die stehen halt einmal da, aber mein Gott na! Das sind ja nur Zahlen auf Papier und kein echtes Geld.

profil: Diese Expertise bringt mich zurück zu meiner Ausgangsfrage: Was ist denn nun ein Derivat?
Burgstaller: Warum fragen Sie das nicht den Pröll? Oder den Platter? Die wissen das sicher auch nicht. Aber: Die sind im Gegensatz zu uns ja auch noch dafür!

profil: Das schlägt ja dem Fass den Boden aus! Wie können die nur?
Burgstaller: Tja. Wenn man halt immer nur die Interessen der Reichen im Auge hat und sich zum Beispiel auch mit Händen und Füßen dagegen wehrt, mit einer Vermögensteuer für mehr Gerechtigkeit zu sorgen – dann passt das gut ins Bild.

profil: Sie hingegen würden die Vermögensteuer nehmen und sie sozial total ausgewogen in ein paar Swaps hineinpracken.
Burgstaller: So wie Sie das jetzt sagen, hört es sich ein bissl komisch an. Als würden Sie diesen himmelhohen ideologischen Unterschied zwischen Gut und Böse nicht wirklich zu würdigen wissen.

profil: Doch, doch. Durchaus. Und Sie würden natürlich auch, wenn die Konstellation in Salzburg eine andere wäre, also mit einem schwarzen Landeshauptmann und Ihnen in Opposition, niemals Neuwahlen fordern.
Burgstaller: Natürlich nicht. So ein durchsichtiges Taktieren, so ein unappetitlicher Versuch, aus dieser schlimmen Krise, in der sich eines der schönsten Länder der Welt befindet, auch noch politisches Kleingeld schlagen zu wollen, statt die Ärmel aufzukrempeln und den Schutt wegzuräumen – so was käme mir nie in den Sinn.

profil: Gut. Dann danke ich für das Gespräch.
Burgstaller: Was, schon aus? Aber ich habe ja noch gar nicht geweint!

rainer.nikowitz@profil.at

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