<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Vienna calling

<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Vienna calling

Bundeskanzler Werner Faymann gratulierte Barack Obama als einer der Ersten zu seinem Wahlsieg. Der war natürlich ausgesprochen gerührt.

Cap: Und? Was is denn jetzt endlich? Des zaht si ja ordentlich.
Faymann: Was soll i bitte machen? I bin immer no in der Warteschleifen.
Rudas: Des is urunhöflich. Typisch ­imperialistisches Ami-Gehabe. In Nicaragua tät uns des net passieren.

Cap: I find des auch arg. I mein, was glaubt denn der, wer mir san?
Faymann:
Dabei hamma uns erst im Mai, wie i bei ihm war, so was von angeregt unterhalten! Des war wirklich total nett.
Cap: Echt? Was hast eam denn erzählt?
Faymann: I? Also, eigentlich … Na ja. Eigentlich hab i zughorcht. Er war mehr der Alleinunterhalter.

Cap:
Aha. Und was hat er erzählt?
Faymann: Und woher bitte soll i des jetzt wissen?
Cap: Okay … Sag, in welcher Sprach gratulierst eam denn eigentlich?
Faymann: Des is der amerikanische Präsident! Der wird si do an Simultandolmetscher leisten kennan!

Cap: Und du glaubst, der sitzt de ganze Zeit da und wart, dass du anrufst?
Faymann: Ja.
Rudas: Des dauert jetzt echt scho ewig! I halt des für a Sauerei. Vor allem, wenn ma bedenkt, dass du ja praktisch sein europäischer Zwilling bist … Weil, wer, wenn net du, steht denn bitte sonst für Hope?

Cap: Und Change.
Rudas: Na ja.
Cap: Na guat. Change vielleicht net unbedingt.

Faymann: Yes? Hello? No, I am not. I am se Werner. Hello?
Rudas: Was war jetzt?
Faymann: Da wollt ane wissen, ob i die Holde Lein bin.

Cap: Was soll des bitte heißen?
Faymann: Ka Ahnung. Is des vielleicht ane von den Hollywood-Schnallen, die ihn unterstützt hat? I kenn mi ja da nimmer aus mit de Tschinbumm-Filme heute.

Rudas: Ob sie net vielleicht eher gmeint hat: „Hold the line“?
Faymann: Sag i ja.
Cap: Des heißt, du sollst net auflegen.
Faymann: Guat. Okay. Des bleibt unter uns, verstanden?

Cap: Wem sollt ma’s denn erzählen, der’s im Prinzip net eh weiß?
Rudas: Wenn er endlich abhebt, dann sagst eam des oba ordentlich eine mit Guantanamo. I mein, nur weil ma froh sein miassn, dass er den faschistoiden Mormonen putzt hat, braucht er net glauben, dass eam de SJ net ganz genau auf die Finger schaut.

Faymann: Geh, echt jetzt. Damit werd i do net an so an Tag daherkumman! Wenn i nächstes Jahr wiedergwählt werd, wird der Barack, wenn er mi zum Gratulieren anruaft, a net zu mir sagen: „And what is now with Traiskirchen?“
Cap: Eh net. Weil er di nämlich gar net anruafen wird.
Faymann: Also, ehrlich Pepi. I weiß net, was mit dir net stimmt! Muasst du immer so zynisch sein?

Cap:
Hat er leicht beim letzten Mal angruafen? Naa. Hat er net.
Faymann: Da war er ja no gar net Präsident, sondern no mitten im Wahlkampf! Und da hat er si sicher net traut, weil er si wahrscheinlich denkt hat, er is zu unwichtig.
Rudas: Und so wichtig is er jetzt no immer net, dass wir no amoi a halbe Stund warten, bis er endlich an des depperte Telefon geht. Mir reicht’s jetzt. Leg auf und gemma heim.
Faymann: Auf gar keinen Fall! Was glaubst, wie der Barack enttäuscht is, wenn i eam net gratulier? Der bombardiert glatt den Iran oder was, weil er si so kränken tut. Willst du daran schuld sein? I net. Weil wann si mei politisches Lebenswerk an irgendwas orientiert, dann daran, dass i sicher nie an irgendwas schuld sein will.

Cap: Komisch. Mir war des immer scho wurscht.
Faymann: Drum bist ja du auch nie Kanzler der Herzen geworden, so wie i.
Rudas: Oida, bitte, des is ja no öder als der Gewerkschaftstag Bau-Holz! Was treibt denn der so lang? Was kann bitte so wichtig sein, dass ma die SPÖ warten lasst?

Cap: Die Merkel? Der Cameron? Der Barroso?
Rudas: Sag i ja: Was kann bitte so wichtig sein?

Cap: I find ja, du solltest eam a sagen, dass i gsagt hab, dass mit der Macht der Wall Street endlich Schluss sein muss.
Faymann: I will dir net zu nahe treten, Pepi. Aber glaubst du, dass er weiß, wer du bist?

Cap: I würd amoi davon ausgehen, dass ihm der Simultandolmetscher in all den vielen Stunden, in denen er drauf gewartet hat, dass du anrufst, nebenbei mein Buch „Kamele können nicht fliegen“ übersetzt hat.
Rudas: Oida, des hab ja net amoi i glesen.

Cap:
Und was soll des jetzt beweisen? Der Barack wird ja hoffentlich bissl a feinere Nasen dafür haben, was a politisches Standardwerk is und was net.
Faymann:
So. Jetzt is so weit.
Cap: Is er dran? Is er dran?
Faymann: Naa. I bin aus der Leitung gflogen.
Rudas: Na super. Jetzt hamma a halbe Stund verschwendet. In der Zeit hätt ma voll für soziale Gerechtigkeit sorgen können und alles.

Faymann: I probier’s no amoi.
Rudas: Und warum sollt’s jetzt bitte funktionieren?
Faymann: I sag, i bin der Putin.
Cap: Ja. Des macht Hope!

rainer.nikowitz@profil.at

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