<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Wahr ist vielmehr …

Okay, Amis. Netter Versuch. Aber jetzt mal zu den beinharten Bin-Laden-Fakten.

Wir bei profil sind ja quasi die Weltmeister des gesunden Zweifels. Offizielle Versionen jedweder Geschehnisse werden von uns gewohnheitsmäßig verlacht, auch wenn sie nicht von Karl-Heinz Grasser stammen. Und Sie haben jetzt die Wahl: Glauben Sie irgendwelchen fadenscheinigen Regierungssprechern – oder unserem topinformierten, wesentlich glaubwürdigeren Informantennetz auf der ganzen Welt.

Es ist nämlich so: Der Mann, der zu Beginn der Wirtschaftskrise meinen Gemüsegarten fachgerecht vermint hat, um meine Radieschen vor den Horden von in Bälde sehr hungrigen Nachbarn zu schützen, hat Osama Bin Laden an seinem angeblichen Todestag beim Stelzenessen im Schweizerhaus ertappt. Klar, dass dem das voll unangenehm war.

Deshalb hat er ja auch, während er sich eilig die Reste von dem knusprigen Schwartl aus dem Bart gewischt hat, behauptet, er sei nur ein simpler Mechaniker aus Mannswörth, der halt am liebsten ZZ Top höre. Und das auf seinem Kopf sei keineswegs ein Turban, sondern eine Folge des Schraubenschlüssels, den der Chef dieser konkurrierenden Motorrad-Gang beim letzten ungemütlichen Beisammensein argumentativ ins Treffen geführt habe.

Nun ja. Was soll man dazu schon groß sagen, außer: Es ist immer wieder erstaunlich, welche hanebüchenen Ammenmärchen der kritischen Öffentlichkeit so aufgetischt werden. Und auch wenn das Gegenargument des Mainstreams, das jetzt unweigerlich kommen muss – wenn Bin Laden in Österreich wäre, hätte ihn der ORF schon längst für „Dancing Stars“ eingekauft –, auf den ersten Blick etwas für sich hat, ist es doch leicht zu ­entkräften: Laura Rudas findet Vollbärte nun einmal total unsexy.

Die offizielle Version lautet ja, dass Osama jetzt mit Betonpatscherln neben einem Walskelett irgendwo im Indischen Ozean wasserleicht. Das können ja bitte nur die einfachsten Gemüter glauben. Selbstverständlich wurde er eingefroren. Aber nicht erst jetzt, sondern schon 2003, als ihm beim Drehen eines Drohvideos in den Universal Studios in Hollywood in der Originalkulisse von „Die zehn Gebote“ der von einem natürlich jüdischen Requisiteur schlecht auf dem Berg Sinai verstaute Weiße Hai auf den Kopf fiel.

Dabei hatte ihm die CIA noch angeboten, dass er sich von Cat Stevens doubeln lassen könne. Aber wenn man kein Glück hat, kommt halt meistens noch das Pech auch dazu.

Dass Bin Laden gerade jetzt aufgetaut und für diese B-Movie-Schmierenkomödie nach Abbottabad gebracht wurde – die dortige Villa gehört übrigens in Wahrheit Hugh Hefner und wird normalerweise für schlüpfriges Burka-Burka verwendet –, liegt schon auch daran, dass Barack Obama einen Startschuss für seine Wiederwahl-Kampagne gebraucht hat.

Aber in erster Linie hatte es Michelle Obama endgültig satt, dass der steife Bärtige ständig auf den Hamburgern fürs nächste Barbecue herumlungerte.

Dass sich die Amis jetzt ständig mit neuen Fragen über diese lächerliche Inszenierung herumschlagen müssen, geschieht ihnen recht. Ich meine, einerseits hauen sie dort einen sündteuren Hubschrauber weg, um damit irgendwie den Anschein von Authentizität zu erwecken, und auf der anderen Seite sparen sie am falschen Platz. Man darf bei so was nun einmal nicht pfennigfuchsen, auch wenn David Copperfield natürlich einen stolzen Preis hat. Aber es kann ja wohl niemand bestreiten, dass er dafür auch absolute Profiarbeit abliefert – das World Trade Center ist schließlich immer noch verschwunden.

Aber für jemanden, der mit offenen Augen und wachem Geist durch die Welt geht, sind das ja alles längst keine Geheimnisse mehr. Neu ist allerdings die hundertprozentig wasserdichte Information, die uns ein Blogger aus dem amerikanischen Bible Belt zukommen hat lassen, der über ­Facebook in ständigem Kontakt mit Elvis Presley steht, der wiederum seine nervtötende Las-Vegas-Phase gegen eine Auftrittsserie in Pjöngjang eingetauscht hat. Elvis sagt, dass Kim sagt, dass die Chinesen sagen, dass die Taliban sagen, dass sich Osama bester Gesundheit erfreut und als Animateur im Club Medieval in Kandahar arbeitet. Natürlich nur, wenn er nicht gerade mit der Kelly Family auf Tournee ist. Oder auf den Osterinseln für eine neue Moai-Statue Modell sitzt. Oder das israelische Frauenfußball-Nationalteam trainiert. Also nicht allzu oft.

Wobei, nach diesem ganzen Theater wird er jetzt ja ohnehin wohl oder übel nach Area 51 übersiedeln müssen. Das kommt davon, wenn man das Kleingedruckte im Vertrag nicht liest.

Und übrigens: Dieses lächerliche Foto, auf dem Hillary Clinton dreinschaut, als würde sie auf YouTube gerade das Oral-Office-Video von Bill und Monica sehen! Wollen Sie wissen, was sie wirklich gesehen hat? Ich verrate es Ihnen …

Oh, verdammt. Mein Handy. Ausgerechnet jetzt. Dabei habe ich ihm sicher schon hundertmal gesagt, er soll nicht immer genau zum Redaktionsschluss anrufen. Aber reden Sie als Ungläubiger einem Bin Laden einmal
was ein.

rainer.nikowitz@profil.at