<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Was gibt es Neues?

Nach dem Schulstreit der Heeresknatsch – von der kürzlich angekündigten Harmonie ist die Regierung ein Stückchen entfernt. Oder, meine Herren?

profil: Der Herr Bundeskanzler ist noch nicht da. Wissen Sie, wo er so lang bleibt?

Pröll: Des frag i mi seit zwei Jahren.

Faymann: Bin scho da, bin schon da. So, also, gemma’s an … Geben S’ her des Interview, i les mir’s gschwind durch, und dann bin i a scho wieder a guat frisiertes Staubwolkerl.

profil: Sollte ich es nicht zuerst führen?

Faymann: Was heißt jetzt des?

profil: Das Interview. Ich frage, Sie antworten.

Faymann: Des hamma do no nie so gmacht. Muss i Ihnen Ihren Job erklären? Für an Frischgfangten schaun S’ oba ganz schön alt aus. Also, passen S’ auf: Sie schreiben, was Sie gern hätten, dass i sag, i gib pro forma mein Sanktus dazu und aus die Maus.

Pröll: Wernschti, der Herr is net von der „Krone“.

Faymann: Jessas! Was mach i dann da?

Pröll: Über unsere Erfolge reden.

Faymann: Ha! Des gfallt ma! Wie lang ham S’ Zeit?

profil: Na ja … 36 Sekunden?

Faymann: So a Frechheit! Kumm, Josef, wir gehen.

Pröll: Geh halt. I bleib da.

Faymann: Aha! Da will mi ana ausbremsen, was? Net mit mir, Freund der Blasmusik! Geht scho, fragen S’ was.

profil: Zu Jahresbeginn haben Sie gesagt, dass es jetzt aber wirklich losgeht mit den Reformen und dass die Koalition aufhört zu streiten. Das hat sich mit der Bundesheerdebatte aber schnell wieder erledigt.

Faymann: Also, wenn die Abschaffung der Wehrpflicht ka Reform is, dann weiß i net.

Pröll: Net jeder Bledsinn, der euch einfallt, is glei a Reform.

Faymann: Und net alles, wo ihr dagegen seids, is kane.

Pröll: Ihr wollts die Neutralität abschaffen! So was macht ma in Österreich net ungstraft.

Faymann: Nie und nimmer! De is in Stein gemeißelt, da fahrt die Bundesbahn drüber!

Pröll: Mit unserer Bahn kann da ja net vü passieren.

Faymann: Ah! Jetzt geht scho der Chef persönlich auf die Bahn los und net nur sei Kettenhund, der Lopatka! Hat der eigentlich nix zu tuan bei dir im Ministerium, dass er dauernd auf de Gleis pischen muass? Gib eam was zum Hackeln!

Pröll: Des is sei Hackn! Genauso, wie die Arbeiterkammer in letzter Zeit nur existiert, damit s’ auf meine Bauern hinpecken kann.

Faymann: Die Arbeiterkammer is eine völlig unabhängige Organisation, die mit der SPÖ überhaupt nix zu tun hat.

Pröll: Ja. Eh. Und Österreich wird nächstes Mal Fußballweltmeister.

Faymann: Na ja, wenn ma den Ivanschitz doch wieder aufstellen und vurn den Janko mit dem Arnautovic …

Pröll: Wer wird denn die Neutralität verteidigen, wenn ma ka Heer mehr ham? Ha?

Faymann: Der Darabos Bertl und i. Und wenn’s hart auf hart geht, macht der Häupl Michi an Hungerstreik.

Pröll: Der einzige Garant für die Neu­tralität is die ÖVP, so schaut’s nämlich aus.

Faymann: Machst du leicht a an Hungerstreik?

profil: Das Interessante an dieser etwas unvermutet losgebrochenen Neutralitätsdebatte ist ja, dass früher immer die ÖVP zumindest hinter vorgehaltener Hand dagegen war. Wolfgang Schüssel hat sie sogar einmal mit Mozartkugeln verglichen.

Pröll: Entschuldigung, aber des geht mi nix an. Was wollen S’ von an Loser, der sogar gegen den Gusenbauer eingschaut hat?

Faymann: Da muass i eam ausnahmsweise Recht geben.

Pröll: Des brauch i jetzt wie an Kropf! Gib ma lieber dabei Recht, dass die Gesamtschul a Topfen is.

Faymann: Nie und nimmer! De verteidigen die Schmied Claudschi und i wie die Bösen! Und wenn’s hart auf hart geht, macht der Häupl Michi einen Hungerstreik.

profil: Will der irgendwie abnehmen?

Faymann: Na ja … Zu de Weight Watch­ers kann er halt schlecht gehen.

Pröll: So machts ihr Politik. Da steigen an ja de Grausbirnen auf.

profil: Wie lange wollen Sie das eigentlich den Wählern noch zumuten? Es muss Ihnen doch auffallen, dass sich die Begeisterung der Österreicher über Ihre Performance in relativ engen Grenzen hält.

Pröll: So daneben samma a wieder net.

Faymann: Oba i weiß a net … Es is irgendwie stärker als wir.

Pröll: Vielleicht is unter der Löwelstraßen a gemeine Wasserader oder so was.

Faymann: Und unter der Lichtenfelsgassen a alter Indianerfriedhof mit ganz schiache Vibrations.

profil: Und Neuwahlen kann ja wohl keiner von Ihnen wollen.

Faymann: Nein. Aber fürchten tät i mi net. I bin in der Kanzlerfrag klar voran.

Pröll: Geh bitte! Mit 17 zu 15 Prozent.

profil: Beides horrend schlechte Werte, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.

Faymann: Nein. Derfen S’ net.

Pröll: Und außerdem: Der Bucher hat ein Prozent.

profil: Nun ja. Der Bessere möge gewinnen.

Faymann: Des hab i ma glei denkt, dass Sie net zu mir halten.

rainer.nikowitz@profil.at