<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Weltenbummler

Auch wenn die neuesten Erkenntnisse im U-Ausschuss stark gegen ihn sprechen – Karl-Heinz Grasser macht sich keine Sorgen.

profil: Herr Grasser, die letzten Aussagen im Untersuchungsausschuss legen nahe, dass es tatsächlich Sie waren, der beim Buwog-Verkauf das Höchstgebot verraten hat und damit …
Grasser: Gott, wie mich das langweilt! Und sicher nicht nur mich – die profil-Leser haben doch wirklich Interessanteres verdient, finden Sie nicht?

profil: Was denn zum Beispiel?
Grasser: Wie finden Sie heute meinen Anzug?

profil: Nicht böse sein, aber der ist mir wurscht.
Grasser: Sollte er aber nicht sein, so wie Sie daherkommen. Ist Ihr Schneider blind, oder haben Sie einen Caritas-Kleidersack überfallen?

profil: Noch einmal: Ihr ehemaliger Kabinettsmitarbeiter Heinrich Traumüller hat zugegeben, dass Sie über die 960 Millionen, die die CA Immo in der ersten Runde geboten hatte, informiert waren. Und daraufhin hatten Sie eine neue Bieterrunde veranlasst und …
Grasser: Jetzt einmal ganz ehrlich: Lisa oder Dominique?

profil: Was?
Grasser: Soll Lisa bei „Germany’s Next Topmodel“ gewinnen? Oder Dominique? Neinneinnein, ich weiß: Sie sind mehr der Inga-Typ, oder?

profil: Herr Grasser, bitte! Wovon reden Sie da?
Grasser: Ach. Es ist ja nun nicht so, dass mir die Kunden die Tür einrennen, wissen Sie. Ich habe also recht viel Zeit zum Fernsehen. Aber mein Fernseher spielt alle Stückln! Der ist riesig, und man kann ihn versenken und … Ich habe ja das Ashanti-Yoga erfunden, hab ich das schon erzählt?

profil: Nein. Aber gut, dass Sie es erwähnen.
Grasser: Gell? Wollen Sie wissen, wie das geht?

profil: Nein.
Grasser: Also: Sie drehen den Fernseher auf, überkreuzen am Sofa die Beine und essen Erdnüsse.

profil: Aha.
Grasser: Das war ein Witz. Ashanti. Erdnüsse. Verstehen Sie?

profil: Ja.
Grasser: Warum lachen Sie dann nicht? Das Leben ist doch eh traurig genug.

profil: Muss ich mir Sorgen machen? Das hört sich für mich nach einer gewaltigen Realitätsflucht an.
Grasser: Vor welcher Realität denn?

profil: Sie haben dem Meischberger verraten, wie viel die Immofinanz bieten muss, damit sie gewinnt. Meischberger hat es Hochegger gesagt, der der Immofinanz. Und im Gegenzug sind die zehn Millionen Provision geflossen. War es so?
Grasser: Ach so. Diese Realität meinen Sie.

profil: Gibt es denn mehr als eine?
Grasser: Na ja … Wenn ich nachts so auf dem Balkon liege und mir Kassiopeia anschaue … So viele Sterne … So viele verschiedene Welten … Wussten Sie eigentlich, dass Kassiopeia ihre ­Eitelkeit beinahe zum Verhängnis wurde?

profil: Interessant.
Grasser: Ja. Gut, dass mir das nicht passieren kann.

profil: Ja.
Grasser: Aber manchmal denke ich mir schon: Wenn der Khol nicht gewesen wäre, wäre ich jetzt Bundeskanzler.

profil: Daran denke ich tatsächlich auch manchmal.
Grasser: Wobei, ich könnte immer noch Papst werden. Oder „Dancing Stars“ gewinnen, meinen Sie nicht?

profil: Oder zu der neuen Partei von Frank Stronach gehen. Der kennt Sie ja noch dazu gut, bei dem waren Sie schließlich schon einmal.
Grasser: Und wenn Sie mich kennen würden, dann wüssten Sie, dass ich aus genau diesem Grund nicht mehr zu ihm zurückkann.

profil: Verstehe. Aber kommen wir doch noch einmal zur Buwog: So wie es aussieht, ist die letzte offene Frage jetzt ja nur noch, ob Sie von den zehn Millionen auch Ihren Anteil bekommen haben – und diverse Geldflüsse auf Ihren Konten lassen zumindest die starke Vermutung zu. Wäre es realistisch betrachtet nicht langsam Zeit, sich zu fürchten?
Grasser: Jetzt kommt er mir schon wieder mit seiner Realität. Wissen Sie, was meine Frau dazu sagt?

profil: Nein.
Grasser: Ich auch nicht. Die redet nichts mehr mit mir.

profil: Oje.
Grasser: Na ja. So schlimm ist es dann auch wieder nicht. Dafür hat sie eh früher so viel geredet. Ich hab da quasi meine ganz private Vorratsdatenspeicherung gemacht.

profil: Kann es sein, dass Ihnen der ganze Druck, der in den letzten Jahren auf Ihnen lastet, ein wenig zu viel geworden ist?
Grasser: Sollte der Druck in der Kabine sinken, fallen automatisch Sauerstoffmasken aus den Fächern über Ihnen. Ziehen Sie dann eine der Masken schnell zu sich heran, und befestigen Sie diese mit dem Gummiband auf Ihrem Kopf. Danach helfen Sie bitte mitreisenden Passagieren und Kindern.

profil: Entweder ist das jetzt eine geniale neue Verteidigungsstrategie, oder man muss langsam wirklich Mitleid mit Ihnen haben.
Grasser: Nicht einmal der Meinl ruft mehr an. Dabei hat der doch sonst eh auch keine Freunde.

profil: Nächste Woche sind Sie noch einmal im U-Ausschuss. Wie werden Sie es anlegen?
Grasser: Haben Sie jemals die Garbo in der „Kameliendame“ gesehen?

rainer.nikowitz@profil.at