Rainer Nikowitz: Bombenstimmung

Rainer Nikowitz: Bombenstimmung

Weltexklusiv: Das erste nie geführte Interview mit einem islamistischen Selbstmordattentäter - nachdem er einer geworden ist!

profil: Hallo? Kann mich jemand hören?
Terrorist: Wer ist da?

profil: Nachrichtenmagazin profil aus Wien. Spreche ich mit …, äh …, einem islamistischen Terroristen?
Terrorist: Ja. Was wollen Sie von mir?

profil: Nun, man hat ja als Journalist selten die Gelegenheit, einen Selbstmordattentäter zu interviewen. Schon gar nicht, nachdem er einer geworden ist.
Terrorist: Wie haben Sie mich gefunden?

profil: Mithilfe von Frau Aloisia Guggenberger. Sie ist ein bekanntes Medium. In ganz Gaudenzdorf und Umgebung.
Terrorist: Eine westliche Schlampe? Großartig! Was hat sie an? Eine transparente Bluse? Victoria’s-Secret-Strapse? Oder gar nichts?

profil: Eine Kleiderschürze. Mit Karfiolröschen drauf.
Terrorist: Verdammt. Wenn man einmal was braucht von euch Ungläubigen.

profil: Aber selbst, wenn Frau Guggenberger Ihren Wünschen entspräche - Sie können sie ja ohnehin nicht sehen.
Terrorist: Da, wo ich jetzt bin, würde schon die Vorstellung reichen. Andererseits hab ich ja keine Hände mehr. Und auch keinen … Wenn Sie verstehen, was ich meine.

profil: Oh. Das ist aber blöd. Aber hey, Kopf hoch: Ganz viele Zerfetzte! Jede Menge unwertes Leben, das Sie heldenhaft beendet haben. Ein Platz im Geschichtsbuch der Islamistischen Weltrevolution! Und dann die 72 Jungfrauen …
Terrorist: Haben Sie mir nicht zugehört? Mir fehlt Entscheidendes! Und außerdem sind da gar keine. Wobei, doch. Eine. Aber die zählt nicht.

profil: Wieso nicht?
Terrorist: Sie ist eine lesbische Sozialarbeiterin mit zweifärbigen Haaren.

profil: Oje.
Terrorist: Und das Schlimmste ist: Sie hat totales Verständnis.

profil: Aber das klingt doch nicht schlecht.
Terrorist: Nicht schlecht? Die Schnepfe nervt mich ständig, ich soll ihr doch von meiner schweren Kindheit und meinem Leben als von der rassistischen und reaktionären Mehrheitsgesellschaft brutal Ausgegrenzter erzählen. Und das muss ich jetzt bis in alle Ewigkeit aushalten!


Natürlich seid ihr selbst daran schuld, dass ich mich mitten unter euch in die Luft sprengen musste.

profil: Aber Sie wurden doch sicherlich rassistisch ausgegrenzt. Eine andere Erklärung ist ja praktisch denkunmöglich.
Terrorist: Na ja, klar. Natürlich seid ihr selbst daran schuld, dass ich mich mitten unter euch in die Luft sprengen musste. Wer denn sonst?

profil: Können Sie mir vielleicht einige Beispiele für die haarsträubenden Diskriminierungen nennen, denen Sie im Lauf Ihres leider durch die schlimmen Umstände drastisch verkürzten Lebens ausgesetzt waren?
Terrorist: Es hat schon in der Schule angefangen.

profil: Verstehe. Sie wurden also schon ganz früh gemobbt. Von Ihren autochthonen Mitschülern.
Terrorist: Von denen eigentlich nicht.

profil: Von wem denn dann?
Terrorist: Von Mathematik, Physik, Biologie und Geschichte. Stunden um Stunden, prall gefüllt mit entsetzlichen wissenschaftlichen Beleidigungen. Was sich da alles an Koranstudium ausgegangen wäre!

profil: Ja, dieser Lehrplan ist wirklich ein postkolonialistisches Unterdrückungsinstrument.
Terrorist: Und erst die Noten! Kein Ungläubiger hat mich als stolzen muslimischen Mann zu benoten. Und schon gar nicht auf so unfassbar demütigende Weise!

profil: Das Zeugnis war also nicht so?
Terrorist: Das ist ein Hilfsausdruck.

profil: Jetzt verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber andere Schüler hatten ja wohl auch schlechte Noten. Und die sprengen sich später trotzdem nicht in einer vollen U-Bahn in die Luft.
Terrorist: Die sind ja auch nicht die Krone der Schöpfung.

profil: Klar. Könnte ja jeder kommen.
Terrorist: Und dann erst der Job! Sie machen sich keine Vorstellung, wie man da mit mir umgesprungen ist.

profil: Was wollten Sie denn werden?
Terrorist: Reich!


Und wie, frage ich Sie, soll man sich vom Notstand einen BMW leisten können?

profil: Mit welcher Arbeit?
Terrorist: Mit so wenig wie möglich. Aber glauben Sie, irgendwer hätte dafür Verständnis gehabt? Kein einziger Konzern wollte mich als nicht amtsführenden CEO haben. Nein, Maler und Anstreicher hätte ich werden können. Das habe ich natürlich abgelehnt. Nicht mit mir!

profil: Die hässliche Fratze des westlichen Kapitalismus … Widerlich.
Terrorist: Ganz genau. Und wie, frage ich Sie, soll man sich vom Notstand einen BMW leisten können? Und wie willige Weiber? Und wie soll man dann in all diesem fremdverschuldeten Elend auch noch ertragen, dass die anderen an was anderes glauben? Oder an gar nichts? Wo man doch weiß, dass man Recht hat! Wie kann man sich all diese ungeheuerlichen Zumutungen gefallen lassen?

profil: Das wäre echt übermenschlich.
Terrorist: Apropos übermenschlich: Ich muss jetzt aufhören. Sie will mich sehen.

profil: Ihre Sozialarbeiterin?
Terrorist: Nein. Gott.

profil: Gott ist eine Frau?
Terrorist: Sehen Sie? Und dabei hätte meine Woche an sich so gut angefangen.