Rainer Nikowitz: Wettenleuchten

Rainer Nikowitz: Wettenleuchten

Erwin, der Pröll, wettete mit Armin Wolf um „eine gute Flasche Wein“, dass er nicht Bundespräsident werde. So geht das nicht. Wir wollen auch eine!

profil: Herr Landeshauptmann, wann haben Sie zum letzten Mal etwas verloren?
Pröll: Erst unlängst. Eines Abends hab ich den Sobotka wieder an die Kette legen wollen – und auf einmal komm ich drauf, dass ich den Schlüssel nicht mehr find! Das war schon ziemlich ärgerlich.

profil: Das heißt also, er läuft immer noch einfach so rum? Du meine Güte! Was da alles passieren kann!
Pröll: Niemand bestreitet, dass der Föderalismus nicht auch seinen Preis hat.

profil: Und sonst? Haben Sie auch einmal etwas wirklich Wichtiges verloren?
Pröll: Ja. Das muss so zirka 1970 gewesen sein.

profil: Eine Wette am Ende?
Pröll: Meine Haare.


Die Welle an Zuneigung aus der Landesbevölkerung hält mich von der Kandidatur ab!

profil: Aber wenigstens hat Ihnen dieser Verlust einen ausgesprochen prägnanten Hinterkopf beschert.
Pröll: Kennen Sie den? Wer weiß am besten, wie der Erwin Pröll von hinten aussieht? No? Alle, die jemals in einer Wahl gegen ihn angetreten sind! Hö! Höhö!

profil: Äh …, köstlich. Aber ehrlich jetzt: Bei Konkurrenten wie Ernst Höger oder Heidemaria Onodi oder … wie hat der letzte noch einmal schnell geheißen?
Pröll: Hab ich auch vergessen. Homer Simpson?

profil: Da wäre es zumindest mit der Absoluten knapp geworden.
Pröll: Worauf wollen Sie hinaus? Dass die ÖVP in Niederösterreich auch mit dem Sobotka an der Spitze locker gewinnen würde?

profil: Also, so weit würde ich jetzt auch wieder nicht gehen.
Pröll: Das möchte ich Ihnen auch nicht geraten haben. Hier bei uns in St. Pölten haben manche schon für viel weniger das Landhaus nicht aus eigener Kraft verlassen.

profil: Das bezweifle ich keine Sekunde. Aber könnte Ihr Mut, den Sie neuerdings bei Wetten im Fernsehen beweisen, nicht auch mit Ihrer Angst davor zusammenhängen, dass Sie bei einer Bundespräsidentenwahl zum ersten Mal in Ihrer Karriere mit Rudolf Hundstorfer zumindest einen Gegner hätten, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient? Oder sogar zwei, wenn Alexander Van der Bellen auch antritt?
Pröll: Angst? Ich? Lächerlich! Ein Erwin Pröll fürchtet sich vor nichts und niemanden. Wenn ich – sagen wir – in der Nacht durch die Bronx gehen würde, ja? Und auf einmal biegt … Johanna Mikl-Leitner um die Ecke! Ich würde nicht einmal zucken.

profil: Pfauh.
Pröll: Außerdem hätte ich ja bei den vorigen zwei Wahlen auch den Fischer weggeputzt, wenn man mich …

profil: … gelassen hätte?
Pröll: Wer sagt, dass man mich nicht gelassen hat?

profil: Jeder, der in der ÖVP ein bisschen Bescheid weiß. Und sich traut.
Pröll: Also wohl hoffentlich niemand! Hier bei uns in St. Pölten haben manche schon für viel weniger …

profil: Ja ja. Ich weiß.
Pröll: Es war einzig und allein die Welle an Zuneigung aus der Landesbevölkerung, die mich damals von einer Kandidatur abgehalten hat! Die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicherinnen haben den Gedanken nicht ertragen, Ihren Erwin möglicherweise zu verlieren. Und es wird Sie nicht überraschen, wenn ich Ihnen sage, dass es auch dieses Mal wieder so ist.

profil: Äh …
Pröll: Was?!

profil: Ach, egal.
Pröll: Ich würde zwar selbstverständlich auch nächstes Jahr die Bundespräsidentenwahl gewinnen, aber: Ich will nicht. Also gewinne ich stattdessen zumindest die Wette gegen den Armin Wolf und damit eine Flasche vom Guten.

profil: Es wäre ja auch eine Verschwendung, wenn er gewänne. Der trinkt doch gar keinen Alkohol.
Pröll: Was es nicht alles gibt auf der Welt! Aber irgendwas braucht der Mensch doch zur Entspannung. Was tut der Wolf denn dann? Haschen?

profil: Twittern.
Pröll: Aha. Ist das auch was Illegales?

profil: Nur in der Türkei.
Pröll: Na ja, jedem das Seine. Jedenfalls – Sie können ja gerne auch noch in die Wette einsteigen, wenn Sie sich trauen.

profil: Ich weiß nicht recht … Ich glaube, die Welle der Zuneigung hat mich überzeugt. Vielleicht wette ich auch lieber gegen Armin Wolf.
Pröll: Das heißt also, wir stehen auf derselben Seite?

profil: So weit würde ich jetzt schon zum zweiten Mal nicht gehen. Aber, wenn Sie nicht Bundespräsident werden – wie schaut denn Ihre Lebensplanung, die Sie so gerne erwähnen, sonst aus?
Pröll: Na ja … Vielleicht kandidiere ich ja noch einmal als Landeshauptmann.

profil: Na geh. Wird das nicht langsam fad?
Pröll: Nicht, wenn man mich diesmal einfach per Akklamation wählt. Ein einziger Beifallsorkan von der Enns bis zur March! Das wär was fürs „Guinness-Buch der Rekorde“.

profil: Ein paar Buhrufe würde es aber schon auch geben.
Pröll: In Niederösterreich? Wollen S’ wetten?