<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Wiederholungstäter

Michael Spindelegger erklärt die schnurgerade Linie der ÖVP.

profil: Herr Vizekanzler, können Sie mir erklären, warum die ÖVP zuerst eine Oberstufenreform fertig ausverhandelt und dann sagt: „Zurück an den Start!“?
Spindelegger: Ich habe zwar, wie Sie wissen, die ÖVP erst vor Kurzem übernommen, aber eine meiner wichtigsten Aufgaben ist natürlich, dass die Partei in ihrem Handeln eine gewisse Kontinuität erkennen lässt.

profil: Kontinuität bei fehlender Handschlagsqualität? Beim Reformenverzögern oder -verhindern? Kontinuität bei „Ein Schritt vor, zwei zurück“?
Spindelegger: Keine Spitzfindigkeiten bitte. Meine Spin-Doktoren haben ­gesagt, ich soll sagen: Kontinuität. Die Menschen müssen wissen, wofür wir stehen.

profil:
Dieses Wissen haben Sie mit Ihrer Volte bei der Frage des Sitzenbleibens sicher hervorragend vermittelt.
Spindelegger: Schon, oder?

profil: Studien sagen, Sitzenbleiben bringt nichts und kostet nur viel.
Spindelegger:
Und ich sage: keine ­Kuschelpädagogik. Strafe muss eben sein. Aber eines möchte ich jetzt schon betonen: Sitzenbleiber sind auch Menschen.

profil:
Tatsächlich.
Spindelegger: Na ja. Mehr oder weniger. Nehmen Sie nur einmal diese ganzen türkischen Politiker, die unsere arme Ursula Plassnik als OSZE-Chefin verhindert haben: Von denen ist sicher der eine oder andere einmal sitzen geblieben. Oder er wäre zumindest sitzen geblieben, wenn er nicht nur in die türkische Baumschule gegangen wäre.

profil: Genau. Und dann auch noch in die EU wollen …
Spindelegger: Das können die sich aufzeichnen, zumindest solange ich was zu sagen habe.

profil: Na ja. Die zwei Jahre werden die Türken auch noch aushalten.
Spindelegger:
Zwei Legislaturperioden als Bundeskanzler dauern aber zehn Jahre.

profil:
Und da sagen immer alle, Sie sind nicht lustig! Aber um kurz noch auf Ursula Plassnik zurückzukommen: Manche finden ja auch, es wäre am besten, wenn sie immer noch Außenministerin wäre.
Spindelegger: Na ja … Aber das würde ja heißen, dass ich nicht Außenminister wäre.

profil:
Diese Interpretation scheint mir zulässig zu sein. Sind Sie denn gern Außenminister?
Spindelegger: Und wie! Schauen Sie: Was ich zu irgendeinem Weltereignis zu sagen habe, interessiert ja keine Sau. Also ist das an sich schon eine ziemlich ruhige Kugel. Außerdem hab ich einen Staatssekretär, der das eh besser kann. Somit kann ich also mein diplomatisches Geschick zur Gänze für die Verhandlungen mit der steirischen ÖVP verwenden.

profil: Und da feiern Sie ja rauschende Erfolge.
Spindelegger: Jetzt machen Sie mich aber verlegen …

profil: Es gibt Menschen, vor allem ­natürlich Steirer, die behaupten, Sie hätten Ihren Bildungsverhandler ­Werner Amon jetzt nur deswegen im Regen stehen lassen, weil er ein Steirer ist – und die Steirer aufmucken, nachdem sie sich bei der Neuaufstellung der Regierungsmannschaft übergangen gefühlt haben.
Spindelegger: Ich bin dagegen, dass man Menschen nur aufgrund Ihrer Herkunft beurteilt. Man kann es jemandem nicht schon per se zum Vorwurf machen, dass er kein Nieder­österreicher ist – obwohl es natürlich gescheiter wäre, er wär einer.

profil: Damit setzt sich aber auch das Hickhack zwischen den Ländern und den Bünden in der ÖVP fort. Die Steirer sind beleidigt, der Wirtschaftsbund auch.
Spindelegger: Ich habe zwar, wie Sie wissen, die ÖVP erst vor Kurzem übernommen, aber eine meiner wichtig­s­ten Aufgaben ist natürlich, dass die Partei in ihrem Handeln eine gewisse Kontinuität erkennen lässt.

profil: Warum kommt mir diese Antwort so bekannt vor?
Spindelegger: Das ist ja wohl das Wesen von Kontinuität. Sie sollten sich mit Fremdwörtern in Ihrem Job aber schon ein bissl auskennen.

profil: Wie wird denn die Geschichte mit der Oberstufenreform jetzt ausgehen? Sie wollen kein Aufsteigen mit bis zu drei Fünfern. Was wollen Sie denn dann?
Spindelegger: Wir wollen vor allem, dass unser Bildungssystem so hervorragend bleibt, wie es ist.

profil: Ganz so hervorragend ist es ja nach den diversen internationalen Vergleichen nicht. Ist denn nicht zumindest das angedachte Modulsystem in der Oberstufe auch für Sie ein Fortschritt?
Spindelegger: Irgendwas wird die Lehrergewerkschaft schon noch finden, was ihr nicht passt.

profil: Und dann?
Spindelegger: Dreimal dürfen Sie ­raten.

profil: Ich heb mir zweimal davon für was anderes auf.
Spindelegger: Wissen Sie, was mir ­gerade siedend heiß auffällt? Habe ich in dem ganzen Interview schon ­irgendwo das Wort „Leistung“ verwendet?

profil: Wenn ich jetzt so nachdenke … Ich glaube nicht.
Spindelegger: Verdammt! Fang ma noch einmal an?

rainer.nikowitz@profil.at