<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Wunschkonzert

Welche Zugeständnisse Alexander Wrabetz noch machen musste.

Werner Faymann zeigte sich an seinem selbstverständlich österreichischen Urlaubsort angenehm überrascht über das klare Votum für Alexander Wrabetz, mit dem wohl, wie er meinte, nunmehr hinlänglich bewiesen sei, dass es an der Leitung des ORF fachlich nichts auszusetzen gebe. Wenn er sich jetzt vom ORF etwas wünschen dürfe, dann, bei seinem nächsten Auftritt in der „ZiB 2“ nicht von Armin Wolf, sondern von Helmi interviewt zu werden, fügte der Kanzler verschmitzt hinzu. Auf die schelmische Nachfrage des ORF-Reporters, ob es vielleicht auch Wickie sein dürfe, antwortete Faymann: „Nur, wenn er nicht gscheiter ist als ich.“

Dass der Reporter daraufhin glaubte sagen zu müssen: „Das heißt also: Nein“, konnte dem Publikum aufgrund einer klugen journalistischen Entscheidung im Schneideraum glücklicherweise erspart werden. Wie mit der unerfreulichen Causa intern weiter umgegangen wird, wird Alex noch telefonisch mit Niko abklären, besagter Reporter könnte sich aber, wie man hört, eventuell freiwillig um die Korrespondentenstelle in Stainach-Irdning bewerben.

Laura Rudas hielt sich zu ihren kolportierten Wünschen an den neuen alten ORF-General bedeckt und quittierte die Frage, ob Wrabetz tatsächlich zehnmal ihren Wagen mit seinem eingeschäumten Körper waschen müsse, nur mit einem sardonischen Lächeln. Allerdings dementierte Niko Pelinka in seiner Funktion als einfach guter Freund energisch, dass Alex hiebei auch einen Fellbikini tragen und „I’m Too Sexy for My Shirt“ singen müsse.

Brigitte Kulovits-Rupp, SPÖ-Stiftungsratsvorsitzende, möchte nicht nur, wie kolportiert wird, recht gerne ORF-Landesdirektorin im Burgenland werden – ein Job, der ihr aufgrund ihrer jahrzehntelangen Ausbildung in der burgenländischen Arbeiterkammer, also der Kaderschmiede für Spitzenjobs im Medienmanagement schlechthin, wie auf den Leib geschneidert ist –, sondern hätte gern auch jemanden, der ab und zu bei ihr im Garten vorbeikommt und diese verfressenen Dickmaulrüsselkäfer von der Kirsch­lorbeerhecke klaubt. Sie würde auch diesen Fernsehgärtner Ploberger nehmen, wiewohl sie sich nicht ganz sicher ist, ob der auf die richtige Seite gehört.

Jener rote Betriebsrat, der seine Stimme für Super-Alex gern mit dem Job des Technikdirektors vergolten hätte, hat auch noch eine Nichte. Die ist eine sehr talentierte Eiskunstläuferin, die ganz gern mehr Sendezeit hätte, was aber nicht das Hauptnebenanliegen des Betriebsrats ist. Denn die Eiskunstläuferin hat eine Trainerin. Die hätte ganz gern eine eigene Vorabend-Reality-Show mit dem Titel „Die Trainerin“, was aber auch nicht das Hauptnebenanliegen des Betriebsrats ist. Denn die Trainerin hat eine Nagelpflegerin. Und die möchte sich beruflich verändern. Sie hätte für den Anfang an stellvertretende Chef­redakteurin in der Information gedacht, könnte sich nach einer intensiven Lernphase von zwei bis drei Wochen ­allerdings auch die Übernahme der „Barbara-Karlich-Show“ vorstellen.
Alex wird darüber wohlwollend nachdenken. Aber versprechen kann in diesem Fall nicht einmal er was – und das will was heißen.

Der der ÖVP zugeneigte kaufmännische Direktor Richard Grasl erhält nicht nur einige zusätzliche Agenden, sondern auch die Zusage, dass die handwerklich erstklassige und bereits auf zahlreichen Filmfestivals von Matzen bis ­Prottes ausgezeichnete Dokumentation des Landesstudios Niederösterreich „Wie Erwin Pröll als Bundespräsident die Weltwirtschaftskrise verhindert hätte“ zu Silvester anstelle von „Dinner for One“ bundesweit gesendet wird. Weiters wird es beim jährlichen Arbeitsessen der ÖVP-Landesdirektoren von 14. bis 16. Mai auf vielfachen Wunsch nunmehr auch Stoffservietten geben.

Die Grünen bestehen auf der Einblendung des Inserts „Gewalt ist echt nicht in Ordnung“ vor Bruce-Willis-­Filmen und darauf, dass man Pius Strobls Erbe im ORF bloß nicht ruiniert. Ansonsten wünschen sie sich einfach kritische Berichterstattung über alle, die es verdient haben – also alle anderen. Und sie würden darüber hinaus als besonderes Zeichen in Zeiten wie diesen, in denen die Rechte von Minderheiten oft mit Füßen getreten würden, am Chefposten der ORF-Religion gern eine lesbische alleinerziehende Muslimin sehen.

Das BZÖ hätte nicht nur gern den der FPK nahestehenden Kärntner Landesdirektor durch einen Hydranten ersetzt, sondern Stefan Petzner möchte auch noch, auf einem weißen Einhorn sitzend, die „Starnacht am Wörthersee“ ­moderieren. Weiters sei bei jedem TV-Auftritt von Peter Westenthaler unbedingt darauf zu achten, dass seine Parteizugehörigkeit im Insert vergessen wird.

Und Norbert Steger schließlich, der als blauer Stiftungsrat angeblich 15 SMS von H. C. Strache widerstand, in denen dieser ziemlich deutlich zum Ausdruck brachte, dass die FPÖ Wrabetz nicht zu unterstützen gedenke, wollte zuerst nur eine Ruhe, überlegte es sich aber dann doch anders und verlangt nunmehr die Fortsetzung der Kult-Show „Was bin ich?“ unter seiner Leitung. Arbeitstitel: „Wer war ich?“

rainer.nikowitz@profil.at