<small><i>Rainer Nikowitz</i></small>
Yes, he can!

Michael Spindelegger wird am Montag mit seiner sicherlich mitreißenden ­Österreich-Rede die Nation rocken, aber hallo.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe christliche Familienväter, liebe Hausfrauen und Mütter, liebe Tiroler Jäger und Döblinger Regimenter! Wofür steht die ÖVP? Oft und oft werde ich das in letzter Zeit gefragt, und es besteht eine kleine Restchance, dass meine Standardantwort – „Mi fragen S’?“ – möglicherweise nicht jeden rückhaltlos zufriedengestellt hat. Also habe ich mir gedacht, pfeif drauf, jetzt sind die Leut eh noch schlecht aufgelegt wegen dem Muttertag und allem, dann kann ich mich doch auch gleich in die Hofburg stellen und zielsicher an allem und jedem vorbeireden, das aber staatstragend.

Es wäre nämlich so: Die ÖVP ist Zukunft aus Tradition. Ja, da schauen Sie jetzt aber wie ein Autobus, ha? Bitte, was das bedeuten soll, weiß ich jetzt auch nicht so genau, aber es steht jedenfalls in dem Manuskript, das mir der Rauch vorher gegeben hat. Ich würde einmal schätzen, es hat damit zu tun, dass …, dass … Fällt Ihnen das jetzt auf? Ich improvisiere. Gut, oder? Freie Rede. Das gibt charismatechnisch gute Haltungsnoten. Merken Sie sich das fürs nächste Mal in der Wahlzelle. Und merken Sie sich auch dazu, wie es klingt, wenn der Faymann eine Rede hält.

Also jedenfalls, Zukunft aus Tradition, das heißt zum Beispiel, dass eine Bildungsreform mit der ÖVP so ausschaut: Man nennt alle Hauptschulen ab jetzt Neue Mittelschulen, und ansonsten rennt alles so weiter wie immer. Außer, dass wir uns eigentlich schon erwarten, dass wir für unsere Modernität und Flexibilität frenetisch gefeiert werden.

So, jetzt hab ich den Faden doch ein bissl verloren und muss wieder ins Manuskript schauen … Ja, wissen Sie, auch das ist gut fürs Image. Das menschelt jetzt. Kennen Sie diesen Kabarettisten da, diesen Resetarits? Ja, der ist doch nur so ein linker Prolet, werden jetzt viele von Ihnen sagen, was will er denn mit dem? Eh nix, an sich. Aber der vergisst ja auch dauernd seinen Text. Und die Leute finden das so super, dass er ihn jetzt schon absichtlich vergisst. Da hab ich mir gedacht, ich bau das auch ein. Weil leben heißt ja lernen, nicht wahr? Und da überlassen wir in der ÖVP nichts mehr dem Zufall.

Also: Ehrlichkeit und Anstand steht da. Na ja gut, jetzt haben wir ja unseren Kodex, und dem Strasser werden wir schon noch irgendwie eine illegale FPÖ-Mitgliedschaft nachweisen, und wenn der Untersuchungsausschuss endlich einmal vorbei ist, dann sollte sich das Thema endlich haben. Und so ein Langzeitgedächtnis haben ja eh die wenigsten. Also: Die ÖVP steht für Ehrlichkeit und Anstand! Security? Da hinten lacht einer. Könnten Sie bitte …, danke. Aber tun Sie ihm nicht weh. Also, nicht so, dass man es nachher sieht.

Weiter steht da: Vertrauen, Tatkraft, Zusammenhalt, Fleiß … Ja. Eh. Sehen Sie, ich bin ja nicht so ein Mann der Schlagworte. Der Schüssel war da zum Beispiel anders. Der hat auch so komische Slogans geliebt. Zukunft aus Tradition – das könnte von ihm sein. Einmal hat er gesagt, die ÖVP ist ein „Zeitpfeil der Hoffnung“. Und dann hat er die Wahl verloren. Das bring ich bitte ohne Zeitpfeil auch zusammen.

Sparsamkeit! Sehen Sie, das ist etwas, wofür die ÖVP steht. Mit uns gibt es keine neuen Schulden mehr. Und für die alten können wir nichts, die sind nämlich alle vom Kreisky. Seit 26 Jahren, also seit wir in der Regierung sind, und ganz besonders seit 2000, seit wir auch noch durchgängig den Finanzminister stellen, kämpfen wir ja wie die Löwen gegen diese Schulden. Vom Kreisky. Das ist quasi unsere Kernkompetenz, und gerade wegen dieser 26 Jahre glaubt uns das ja auch ein jeder.

Na ja, und sonst … Ach so, natürlich. Die ÖVP steht für Familie. Ohne Wenn und Aber. Das heißt natürlich, dass es nicht angehen kann, dass es neben dem zu eh nur 50 Prozent schiefgehenden Erfolgsmodell Ehe so Blödheiten geben muss wie Homos mit Adoptivrecht oder künstlich befruchtete Lesben oder sonst was. Letztens war ich beim Spargelkirtag in Glinzendorf, und dort haben auch alle gesagt: Geh bitte! Und ich weiß schon, es reden immer alle daher, die ÖVP muss wieder in die Städte, und da geht es halt nur, wenn man urban und liberal und alles ist. Blödsinn! Ist die FPÖ urban und liberal? Na also. Warum sollen uns bitte wir dann diesen Schiefer einziehen? Liberal sein in Österreich? Und dann rennen uns deswegen die Beamten davon? Nicht mit mir.

Sie müssen das ja überhaupt so sehen: Wenn sich irgendwer unter Ihnen Hoffnungen macht, die ÖVP würde in der nächsten Regierung nicht vertreten sein, der kann sich das gleich abschminken. Vielleicht sind die Roten nicht drin. Oder die Blauen. Aber wir sicher. Also kann man uns ja auch genauso gut gleich wählen, weil loswerden uns die Österreicher sowieso nicht. Und wenn wir mehr Stimmen kriegen, sind wir besser aufgelegt, und der Erwin Pröll muss nicht mehr so oft Interviews geben und alles. Also, geben Sie sich einen Ruck. Und überhaupt. Und … Ja. Was wollte ich dann noch schnell sagen?

rainer.nikowitz@profil.at