Mit Peter Thiel wird jetzt bei den Festwochen doch nicht diskutiert, die Besten der Guten haben gewonnen. Zeit, ein wenig mit ihnen zu feiern!

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Frau Linke, Sie haben es geschafft, dass bei den Wiener Festwochen nun doch nicht mit Peter Thiel diskutiert werden darf. Lassen Sie mich mit einer Frage beginnen, die ich von der gesamten ORF-Sportredaktion abgekupfert habe. Haben Sie Ihren Erfolg schon realisiert?

Linke

Nun, ich schon. Ich bin eigentlich immer sehr schnell beim Erkennen meiner eigenen Großartigkeit. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Menschen draußen ausreichend zu würdigen wissen, was wir uns da schon wieder geleistet haben.

Ihr Erfolg besteht ja schließlich darin, dass nicht nur Sie nichts hören müssen, was Ihre innere Balance aus dem Gleichgewicht bringt. Am wichtigsten ist sicherlich, dass es auch niemand anderer hören darf. Denn damit tun Sie schließlich nichts weniger, als unsere Demokratie zu retten.

Linke

Das tun wir andauernd! Dieser Hitler kann froh sein, dass er damals nicht die Linke von heute zum Gegner hatte! Den hätten wir aber so was von niedergelikt und gecancelt!

Ja, die Ungnade der späten Geburt. Aber Sie haben vorhin von „den Menschen draußen“ gesprochen. Damit meinen Sie genau welche Gegend …?

Linke

Alles außerhalb unserer linken Wagenburg.

Wagenburg klingt jetzt aber nicht so wahnsinnig inklusiv.

Linke

Oh, das ist sie aber sehr wohl. Jeder ist willkommen! Wir sind offen für jede Minderheit, für jedes Diskriminierungsopfer. Selbst wenn Sie sich nur einbilden, ein Opfer von irgendwas zu sein, das macht auch nichts. Das ist mittlerweile unsere größte Sektion. Wichtig ist uns nur eines: Sie müssen ganz genau das denken, was auch alle anderen denken. Und dasselbe tun wie alle anderen. Sonst funktioniert ja die Buntheit nicht. Wir nennen das das „individualistische Kollektiv“.

Ich will nicht, dass Sie sich unwohl fühlen oder irgendein schreckliches Machtgefälle zwischen uns verspüren, das Sie nachhaltig traumatisiert, aber erlauben Sie mir dennoch eine kritische Anmerkung: Ihre Wagenburg dünkt mir von außen betrachtet sehr klein zu sein. Mit der bedauerlichen Tendenz, stetig weiter zu schrumpfen.

Linke

Ja, klein, aber dafür sehr fein! Das reicht mir als Distinktionsmerkmal voll und ganz. Außerdem haben wir genug Platz. Meine Eltern haben mir erzählt, dass es früher auch sogenannte Linksliberale gab. Das ist ja wohl voll daneben, wie soll links und liberal bitte nebeneinander existieren? Und dadurch, dass die jetzt auch weg sind, hat man bei uns wieder mehr Raum, um sich zu entfalten.

Der Linken wird immer wieder vorgehalten, sie habe am Wege diejenigen verloren, für deren Vertretung sie einst gestanden ist: die kleinen Leute.

Linke

Erst unlängst hat einer unserer aktivsten Kaffeehausrevoluzzer, während wir am Lagerfeuer gemeinsam mit feuchten Augen alte Arbeiterkampflieder gesungen haben, gemeint, es sei irgendwie schon schade, dass da so gar kein Arbeiter mehr mitsingt. Aber ganz ehrlich jetzt: Vor ein paar Jahren hat sich einer von denen zu uns verirrt. Aber erstens hatte der voll peinliche Klamotten aus dem H&M-Sweatshop an – und er roch nicht nach Matcha Latte, kann ich Ihnen sagen! Aber das Schlimmste war: Er konnte nicht einmal die erste Strophe von „Bella Ciao“! Das war schon sehr enttäuschend. Mit solchen Leuten kann man einfach keine Graswurzelbewegung von ganz unten starten – wofür wir ja stehen.

Dennoch: Neben den wirklich wichtigen, grundsätzlichen Überlegungen, die Sie den ganzen Tag anstellen müssen – wie viele Pronomen braucht die Menschheit; welche schöne feministische Farbe bekommen die Wiener Taxis; darf man die Regenbogenfahne neben die von Israel hängen oder ist das ein Hassverbrechen? –, zerbrechen Sie sich je den Kopf, wie man den Arbeiter vor dem Kapitalismus retten kann? Vor allem, wenn er, äh … nicht arbeitet?

Linke

Ja, selbstverständlich tun wir das! Wir haben zwar in unzähligen Feldversuchen festgestellt, dass es einfach nichts bringt, mit dem kleinen Mann zu reden – weil er halt doch immer wieder, trotz unseres nun wirklich beherzten Einsatzes auf dem Gebiet des betreuten Denkens, Dinge denkt, die er einfach nicht denken darf. Man kann die Grenzen des Denkbaren nicht einfach verschieben, ohne unsere Genehmigung dafür eingeholt zu haben. Aber wenn wir nicht mit dem Arbeiter reden, heißt das ja nicht, dass wir nicht über den Arbeiter reden können! Wir zerbrechen uns den ganzen Tag den Kopf darüber, was der wollen könnte.

Das ist sehr großzügig von Ihnen. Aber vielleicht sollten Sie ihn auch mal fragen?

Linke

Das ist mit Demokratie, wie wir sie verstehen, leider nicht vereinbar.

Rainer   Nikowitz

Rainer Nikowitz