Hören Sie mir auf mit Cristiano und Lionel. Die wahren Stars sind natürlich Gianni und Donald.

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Der Ball rollt wieder – und zwar wie nur was. Sie wissen mittlerweile sicherlich sogar schon, wie Südkorea gegen Tschechien und Kanada gegen Bosnien gespielt hat, sind also vermutlich nicht mehr ganz so zum Zerreißen gespannt wie ich gerade. Denn eines ist klar: Da braut sich eine WM der Superlative zusammen. Und das verdanken wir treuen Fans natürlich nur einem: unserem Gianni Infantino!

Der FIFA-Präsident auf hoffentlich Lebenszeit schafft immer wieder aufs Neue das schier Unmögliche – nämlich sich selbst zu übertreffen. Nach seiner ersten Siegerehrung bei der WM 2018, als es in Moskau schüttete wie aus Schaffeln und am Podest nur Wladimir der Schreckliche, also der noch etwas größere Sympathieträger, unter einem von einem Lakaien gehaltenen Schirm trocken blieb, dachten allzu Leichtfertige, da ginge nichts mehr drüber.

Dann kam aber Katar 2022. Zuerst der berührende Monolog des großen Menschendarstellers in der Eröffnungspressekonferenz („Today I feel gay“), eine einstündige Tour de Force durch Giannis harte, von schrecklichen Diskriminierungserfahrungen geprägte Kindheit („I had this …, what do you call this? Freckles?“), die selbst hartgesottene Fremdschäm-Fetischisten inbrünstig um ein Safeword winseln ließ. Und dann wieder die Siegerehrung, bei der der strikt stilneutrale Schweizer aus dem möglicherweise größten Fußballer aller Zeiten im größten Moment seiner glanzvollen Karriere einen Faschingsclown machte, indem er zuließ, dass der Emir von Katar, auch ein sehr netter Mann, Lionel Messi als Araber verkleidete, bevor er ihm den Pokal gab. Und wieder waren neue Maßstäbe gesetzt. Diesmal aber wirklich nicht zu toppen!

Aber jetzt haben wir, wer hätte das vor vier Jahren zu hoffen gewagt, auch noch das Dreamteam Gianni und Donald. Zwei Glücksfälle modernen Leaderships und Entertainments, die hier aufeinanderprallen. Und spätestens seit der ergreifenden Verleihung des FIFA-Ersatzfriedensnobelpreises an den amerikanischen Gandhi-Wiedergänger, dessen außenpolitische diplomatische Generalvertretung auf den Namen Pete Hegseth hört, ahnt man: Da wird noch viel Schönes dabei sein, das ist so sicher wie die vielen Doppelten beim Panini-Album. Und an die Siegerehrung der WM 2026 wird man sich jedenfalls nicht zuletzt deshalb eine schöne Weile erinnern, weil der Sieger schon jetzt feststeht: Donald Trump, die größte aller Attraktionen, wird sich selbst zum Weltmeister erklären. Und er wird das ernst meinen.

So gesehen ist Messi vor vier Jahren mit dem Katari-Kaftan noch einigermaßen glimpflich davongekommen.

Aber natürlich trägt der gesamte Bewerb jetzt schon Giannis und Donalds güldene Handschriften. Sehr praktisch ist etwa, dass man bei den meisten der dank Infantinos Expansionspolitik nunmehr stolzen 72 Vorrundenpartien, die Kracher der Kategorie Schottland–Haiti oder Kap Verde–Saudi-Arabien wie am Fließband produzieren werden, gar nicht erst in einen bleiernen Schlaf sinken muss, sondern sich aufgrund der Zeitverschiebung idealerweise ohnehin schon dort befindet.

Eine weitere interessante Innovation betrifft den Zugang zum internationalen Fan als solchen – und ist dem Donald zu verdanken. Während Veranstalter Katar bei der letzten WM aufdringlich, ja fast schon verzweifelt um ausländische Fußballtouristen warb, ist die diesbezügliche Charmeoffensive der US-Einwanderungsbehörde wesentlich sensibler angelegt. Kaum zu bemerken eigentlich. Dabei wurden angeblich als Extra-Service sogar Fernseher in den Transitbereichen aller großen Flughäfen aufgestellt, damit die Fans, die dort gestrandet sind, weil sie vor fünf Jahren auf Social Media noch nicht gewusst haben, was sie einmal alles nicht dürfen werden und denen deswegen leider die Einreise verwehrt werden musste, trotzdem ihre Matches nicht versäumen. Sofern sie in Handschellen eine Fernbedienung bedienen können – aber so patschert wird ja hoffentlich niemand sein. Wenn das nicht Dienst am Kunden ist, dann weiß ich auch nicht. Und da rede ich noch gar nicht von den sozial sehr klug gestaffelten Ticketpreisen, von lächerlich teuer bis bizarr daneben ist da wirklich alles dabei!

Aber selbst wenn ein paar Fans aufgrund unvorhergesehenen Demokratieverdachts oder eines plötzlichen Privatkonkurses in den Stadien fehlen sollten: Die Schiedsrichter werden ihnen in den USA nicht ausgehen. Voraussichtlich. Und hier werden die USA auch ein wenig konzilianter als bisher vorgehen: Auf Initiative von Gianni werden abgewiesene Pfeifenmänner zumindest spontane Ersatzeinsätze als VAR bekommen. Im Transit. Wenn sie schon so weit geflogen sind, will man ja auch nicht so sein.

Rainer   Nikowitz

Rainer Nikowitz