Der 1. Mai, an dem sich die SPÖ chronisch in völlig unranziger Inszenierung selbst dafür feiert, dass sie einmal jemand war, verlief hinter den Kulissen leider nicht gänzlich friktionsfrei.

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Ludwig: So Kinder, simma endlich alle fertig? Ham alle die feschen roten Tüchln bei der Hand? Jo? Dann gemma ausse, bevor uns am End no de Nelken verwelken.

Babler: Wart, no net! Wo soll i denn jetzt auf der Bühne stehen?

Ludwig: Des hamma do scho besprochen. Wo du hinghörst halt. Also direkt hinter mir.

Babler: Oba … du bist a bissl breiter wie i.

Ludwig: Jo. Und?

Babler: Wenn i hinter dir steh, siecht mi kana.

Ludwig: Jessas! Des hab i natürlich net bedacht …

Anderl: Er will di ja nur beschützen, Andi. Damit di de Leut net auspfeifen.

Babler: Mi? Warum um alles in der Wöd sollten mi de auspfeifen? I bin ja net der Faymann!

Ludwig: Na, des bist du net. Und wirst du a nie sein.

Babler: Na eben. Danke.

Ludwig: Der war schließlich und endlich Bundeskanzler. Wie si des anhört … A roter Bundeskanzler. Wie ein Traum aus längst vergangener Zeit …

Anderl: Du bist verantwortlich für die Lohnnebenkostensenkung, Andi! Des finden meine Mitglieder gar net guat!

Babler: Die meisten von deine Mitglieder wissen net amoi, was Lohnnebenkosten san. Und außerdem wählen sie scho längst alle blau.

Anderl: Ah so? Und des is jetzt mei Schuld – oder de von an Bundesparteiobmann, bei dem quasi jedem Hackler de Kabeln anschwellen? Und außerdem: Wer steht denn da draußen am Rathausplatz, wenn net meine Mitglieder, ha?

Babler: Na ja, de söbn wie immer. Sämtliche Bedienstete der Stadt Wien – weil wehe, wenn net. Und de Pensionisten, de immer no vom Kreisky träumen.

Anderl: Und denen hast du die Pension gekürzt!

Babler: Was hätt i denn machen sollen? Aber da mach i ma für heut eh kane Sorgen. Weil de Pensionisten kennan eh nimmer so guat pfeifen mit de dritten Zähnd. So, und jetzt lasst’s mi vire in die erschte Reih. I muaß ja schließlich a Rede a halten.

Ludwig: Ja, die Tradition verlangt des wohl … Wenn scho sunst kana.

Babler: Du tuast ja grad a so, als hätt i kane Erfolge vorzuweisen!

Ludwig: Na ja … welche waren des denn?

Babler: Ich hab …, äh …, ich hab Zara gerettet! Also immerhin einen Verein, der mit deiner Sektion Erdoğan der Wiener SPÖ hervorragend zusammenarbeitet in der Bekämpfung von diesem schrecklichen antiislamistischen Rassismus – oder wie des im Moment grad heißt.

Holzleitner: Des war aber bitte zur Hälfte ich!

Anderl: Und warst du vielleicht a beteiligt bei den Sparmaßnahmen, die wieder einmal die Frauen benachteiligen, ha? Wie die Erhöhung der Arbeitslosenversicherung für Geringverdiener? Meine Mitglieder finden des gar net guat!

Holzleitner: Sag amoi, was genau bist du da eigentlich? Die innerparteiliche Opposition oder was?

Ludwig: Na. Des bin scho i.

Babler: Außerdem hab i jetzt die Bankenabgabe erhöht. Und die Höchstbemessungsgrundlage. Und die Immobiliengewinnsteuer.

Ludwig: Wahnsinn. A Hoch jagt des andere.

Babler: Sagt der, der die Gebühren in Wien auffegschnalzt hat wie in der Hyperinflation, weil sei Stadt leider kracht wie a Kaisersemmel.

Ludwig: Ja. Und dabei is mei Stadt net amoi Traiskirchen. Sondern nur Wien.

Czernohorsky: Leitln, als zukünftiger Wiener Bürgermeister muss i da jetzt eingreifen. Hört’s auf zum Streiten!

Ludwig: Als zukünftiger was?

Czernohorsky: Äh …, na ja, i hab da in der Zeitung glesen, dass i ana der Favoriten bin. Wenn net sogar der Favorit schlechthin …

Ludwig: Ah so? No, guat dass i des jetzt a waaß. Und jetzt sei so guat und mach wieder des, was du sunst a machst, was du a am besten kannst – und was deine Chancen als Nachfolger enorm erhöht: Hoid de Pappn!

Babler: Und wenn ma scho über Erfolge reden: Wo waraten denn deine vom letzten Jahr, ha?

Ludwig: Des hab i do scho in meiner in jeder Hinsicht markerschütternden Rede am Parteitag erklärt: I hab der Sonntagsöffnung wieder amoi eine klare Absage erteilt!

Babler: Okay. I gib zua, des spüt durchaus in ana Liga mit Zara.

Holzleitner: Na also! Da siecht ma wieder, dass diese ganzen Schwarzmaler, die behaupten, dass wir Sozis einfach keine Themen mehr haben, die irgendwen interessieren, völlig falsch liegen.

Babler: Genau! Und darum gehört uns a de Zukunft. Und jetzt gemma da ausse und verklickern des den … Pensionisten.

Anderl: De wern begeistert sein.

Czernohorsky: Zu Recht!

Babler: Also dann! Vorwärts, Genossen!

Ludwig: Oba eins is klar: Du stehst trotzdem hinter mir.

Rainer   Nikowitz

Rainer Nikowitz