Die profil-Lebenshelferin widmet sich auch diese Woche wieder den wirklich großen Problemen.

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Liebe Frau Erna,

es gilt leider wieder einmal eine bedauerliche Entgleisung des Patriarchats zu beklagen. Und wiewohl dies zum Glück vergangene Woche medial auch angemessen breit getan wurde, kann ich nicht umhin, mich auch noch zu empören. Denn wie ruchbar wurde, hat sich die Mehrheit der Tiroler Schützen, genauer gesagt skandalös eindeutige 87 Prozent, in einer geheimen Abstimmung dafür ausgesprochen, auch weiterhin Tiroler Schützen zu bleiben. Und nicht fortan Schütz:innen zu sein. Die feinen Herren sollten sich was schämen! Reine Männervereine sind ja nun wirklich so was von not up to date, höchste Zeit für eine Öffnung! Ich hoffe, Sie teilen meine Empörung.

Herzlichst

Teresa Krieglschmidt-Lutzmannsberg, 1080 Wien

Liebe Teresa,

ich sehe das natürlich ganz genauso. Das kann’s ja echt nicht sein. Ich meine, wofür hat denn der Feminismus bitte sonst all diese entbehrungsreichen Jahrzehnte hindurch gekämpft, wenn nicht dafür, dass ein laut Statuten stockkonservativer, verzopfter und einer gelinde gesagt recht verschrobenen Form der Traditionspflege anhängender Verein wie die Tiroler Schützen – endlich noch mehr Zulauf bekommt? Nämlich in Form von Frauen, die dann keineswegs genauso stockkonservativ und verzopft sein werden, wie es die Vereinsstatuten nun einmal verlangen! Und endlich rotten sich nicht mehr nur Männer zu von ihnen als besonders empfundenen Anlässen rituell prächtig kostümiert zusammen, schwenken ausdauernd große Fahnen – und lassen es dann mit extra dafür mitgeführten Gerätschaften kräftig krachen! Eine Zusammenfassung ihrer Lieblingsbeschäftigung, die bei Licht betrachtet unweigerlich zu der Frage führt, wo eigentlich die Frauen bei einer Vereinigung sind, die durchaus Ähnliches tut? Also bei den Rapid-Ultras? Hier seh ich am Horizont schon eine weitere Front herandräuen … Und auch die ist noch lange nicht die letzte.

Denn ganz ehrlich: Wir – und mit uns hoffentlich auch kein feministisch denkender Mann! – sollten nicht ruhen, bis nicht endlich auch Brunhilde K. (22), Studentin der Montanuni Leoben, das Recht bekommen hat, sich ihren Traum als selbstverwirklichte Frau zu erfüllen – und sich bei einer Mensur in einer schlagenden Burschenschaft, die dann hoffentlich Bursch:innenschaft heißt, ihr Gesicht zerfleischen zu lassen! Because it’s 2026!

Herzlichst

Ihre Frau Erna

Sehr geehrte Frau Erna!

Es gibt ja angeblich gar nicht einmal so viele Leute, die sich fragen, was ich eigentlich die ganze Zeit so mache, seit ich im EU-Parlament bin. Weil sie nach dem Wahlkampf damals eigentlich in weiterer Folge eigentlich weder von noch über mich was hören wollten. Und das finde ich voll ungerecht. Weil ich nämlich mehr draufhab, als damals rübergekommen ist. Also auch politisch und so, nicht nur auf Social Media. Und diese Woche hat sich das so richtig gezeigt. Da hab ich nämlich Mercosur gekillt! Also okay, nicht allein, schon auch mit den anderen Grünen. Und den progressiven Linken. Und … den Rechtsextremen – aber hey: Das ändert nichts an der Brandmauer. Aber – weil es immer heißt, auf Österreich kommt es nicht an: Es war bitte arschknapp! 334 zu 324! My vote matters! Jetzt ist Mercosur erst einmal an den EuGH verwiesen. Und mit ein bisschen Glück: Geschichte! Na, wie hab ich – wir – das gemacht?

Mit besten Grüßen 

Lena Schilling, Brüssel

PS: Liebe Grüße auch von meinem Kollegen Thomas Waitz!

Liebe Frau Schilling, geschätzter Herr Waitz,

man kann Ihnen nicht genug danken für Ihre unbeugsame Haltung und Ihren eminent wichtigen Beitrag zu einem denkwürdigen Beschluss von enormer Tragweite! Mit welch traumwandlerischer Sicherheit Sie und Ihre Mitstreiter*innen – neben Ihnen beiden ist aus österreichischer Sicht ja auch noch der ÖVP-Abgeordnete Alexander Bernhuber vor den Vorhang zu holen! – erkannt haben, dass das letzte, was Europa jetzt brauchen kann – ein Europa, das Milliarden in den Abwehrkrieg der Ukraine pumpen muss und von Trump in Dauerschleife mit Zöllen und Grönland oder beidem zusammen malträtiert wird –, und auch das letzte, was vor allem ein Österreich brauchen kann, das zusätzlich von Rezession, Inflation, öffentlichem Spardruck und darauf folgendem noch stärkerem Rechtsruck durchgeschüttelt wird, eine weitere Einnahmequelle ist! Noch dazu eine durch Freihandel. Allein schon bei dem Wort sollten ja jedem anständigen Menschen die Grausbirnen aufsteigen. Treffen wir uns doch einmal, wenn Sie wieder in Wien sind. Ihr Schrebergarten oder meiner?

Allerliebst

Ihre Frau Erna

Rainer   Nikowitz

Rainer Nikowitz