Wir schreiben 2027. Die internationalen Debatten um die Annexion Grönlands durch die USA dauern immer noch an. Während Donald Trump heute am Rande einer Pressekonferenz, in der er die Unterzeichnung eines Dekrets bekannt gab, mit dem sämtliche Anästhesisten weltweit zu Narko-Terroristen erklärt werden („Wo immer ihr euch versteckt: Amerika kommt und holt euch!“), einmal mehr deutlich machte, dass dieser Krieg der kürzeste aller Zeiten gewesen sei, und verlangte, dass sein Triumph analog zum Sechs-Tage-Krieg als „Zehn-Sekunden-Krieg“ in die Geschichte eingehen solle, zeigte sich die EU weiter unnachgiebig. In einer ungewohnt scharfen Erklärung verurteilten alle Mitgliedstaaten – außer jenen, die sich nicht die Finger verbrennen wollen – das amerikanische Vorgehen als beispiellosen Willkürakt und sicherten Grönland sowie Dänemark ihre „volle und ungebrochene Solidarität“ zu. Um diese zu beweisen, sollen in sämtlichen europäischen Hauptstädten ab sofort Mahnwachen vor den US-Botschaften stattfinden – und so lange weitergehen, bis die USA wieder aus Grönland abgezogen sind. „Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen!“, gab sich Ursula von der Leyen kämpferisch. „Wer sich mit Europa anlegt, muss wissen, was ihm blüht!“
Böse Zungen könnten nun allerdings behaupten, dass ein Teil der Forderung nach Truppenabzug ohnehin schon erfüllt wurde. Denn bei einem genauen Studium seiner Weltkarte – die an die Wand des Oval Office getackert wurde, damit er sie nicht immer verkehrt herum hält – war dem US-Präsidenten ja bekanntlich kürzlich aufgefallen, dass es sich bei dem eigenartigen Fleck südöstlich von Grönland keineswegs um von ihm schon vor Monaten verschüttetes Coke Zero handelte – sondern um eine ihm bisher völlig unbekannte Insel, die noch dazu irgendwie ziemlich günstig liegt. Und als ihm sein Kriegsminister Pete Hegseth auch noch verriet, der von ihm ob dieses Rätsels hinzugezogene Grok sage, es handle sich hierbei um ein gewisses „Iceland“, war auch schon klar, wohin die nächste Reise der Navy Seals gehen würde. Denn es sei ja wohl eindeutig, dass die amerikanische Abschiebebehörde ICE damit einen natürlichen Anspruch auf dieses Gebiet habe, so eine Namensgleichheit könne unmöglich Zufall sein. Außerdem sei Island NATO-Mitglied und verfüge über kein eigenes Militär – beides Tatsachen, die es zu einem nachgerade perfekten Gegner für die Trump-Administration mache. Als erste Amtshandlung als neuer isländischer Präsident untersagte Trump übrigens mit sofortiger Wirkung die weitere Nutzung von geothermischer Energie – die auf der Vulkaninsel reichlich vorhanden und also keine zusätzliche CO2-Belastung erzeugt – und kündigte zum Ausgleich den Bau von 14 Kohle- und zwölf Gaskraftwerken an, betrieben mit Kohle und Gas aus den USA. „Damit werden diese rückständigen Eskimos in ihren Iglus endlich in die Zivilisation eingegliedert. Sie sind mir jetzt schon dankbar!“
Bei besagtem Studium der Weltkarte entdeckte Trump aber noch andere Dinge. Und sie erklären so manches. Denn im Gegensatz zu Kuba, dessen Eroberung dann feststand, als klar wurde, dass sich die Gaza-Rivierapläne des Trump-Clans in der Karibik preisgünstiger und wettersicherer verwirklichen lassen, hatte der US-Präsident keinerlei Drohungen gegenüber Tuvalu ausgestoßen. Aber er fand den Namen der Hauptinsel Funafuti so lustig, dass er sie einfach haben musste.
Außerdem fand er heraus, dass es von Island gar nicht mehr so weit nach Schottland ist. Und mehr hatten die dort nicht gebraucht. Denn zum einen bestehen hier ja familiäre Bande – Trumps Mutter wurde in Schottland geboren –, und zum anderen besaß Trump dort schon vor der nunmehr erfolgten Annexion zwei große Golfresorts, die er nun ausbauen will. Genau genommen will er ganz Schottland zu einem einzigen Golfresort machen. Mit der Einebnung der Highlands, die begreiflicherweise den geografischen Nachteil haben, aufgrund ihrer Highheit eher golfuntauglich und also vollkommen nutzlos zu sein, soll demnächst begonnen werden. Und zwar mittels einer Wiederaufnahme oberirdischer Atomtests – zwei Fliegen mit einer Klappe also, typisch für den immer auf Synergien bedachten Supergeschäftsmann Trump.
Eine Reaktion der EU auf diesen jüngsten US-Coup steht noch aus, ebenso wie auf die Landung amerikanischer Fallschirmjäger auf den Champs Élysées – nachdem Trump unglücklicherweise eine Folge von „Emily in Paris“ gesehen hatte. Wir hier in Österreich können in diesem Zusammenhang nur hoffen, dass er nicht demnächst auch noch „The Sound of Music“ sieht und aus diesem Film den ihm wohl bei seiner Verfasstheit einzig möglichen Schluss zieht: dass es eigentlich Zeit wäre, dass in Österreich wieder die Nazis an die Macht kommen. Weil dann schreibt er das am Ende noch in das Europa-Kapitel der US-Sicherheitsstrategie hinein.
Oh, Moment!