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Man muss sich Franzobel als eine Art rasenden Dichter vorstellen
08/01/2014

Sven Gächter: Mediamarkt

Mediamarkt

von Sven Gächter

Das Sommerloch genießt zu Unrecht einen schlechten Ruf, denn erstens sorgt es in vermeintlich nachrichtenflauen Zeiten zuverlässig für Ablenkung, weshalb es zweitens mittlerweile fast das ganze Jahr über Konjunktur hat. Die Medien – zumal jene, die sich in ihrer Berichterstattung nicht sklavisch der drögen Schwerkraft des Alltags verschreiben wollen – sind permanent damit beschäftigt, irgendwelche Löcher aufzureißen, um sie mit geballten Ladungen von Banalität zu stopfen. Entsprechend dankbar zeigen sie sich, wenn ihnen dabei Unterstützung von außen zuteil wird, durch ehrenamtliche Zuträger, die das Prinzip Sommerloch so gründlich internalisiert haben, dass sie damit auch ein lukratives Baggergeschäft aufziehen könnten. Ein Gewährsmann für mediale Hilfsdienste aller Art ist seit vielen Jahren Franzobel, den man sich, frei nach Egon Erwin Kisch, als rasenden Dichter vorstellen muss: nie um eine klingende Wort- oder Textspende verlegen, ganz unabhängig davon, ob sie erbeten wird. Nun stieg er – keinen Augenblick zu spät! – in die Diskussion um eine neu zu schreibende Bundeshymne ein und empfahl sich ohne falsche Koketterie als deren Autor. Es wäre verlockend, als „Volksdichter“ etwas zu schreiben, „das in den Boden gemeißelt ist und bei allen offiziellen Anlässen gesungen wird“, deponierte er im „Kurier“. Man möge ihm also einen Meißel geben, mit dem er ein Loch in den Boden schlagen kann, groß und tief genug für eine sommerliche Volkshymne.

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