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Mediamarkt: „Die große Chance“ und Oliver Pocher

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Mediamarkt: „Die große Chance“ und Oliver Pocher

Es genügt dem ORF offenbar nicht mehr, abgehalf­terte Show-Importe anzuheuern.

Oliver Pocher ist der Sohn eines ­Finanzbuchhalters und einer Versicherungskauffrau und machte selbst eine Lehre als Versicherungskaufmann, was seinen Humorhorizont wohl schon früh und endgültig demarkierte. Abgesehen von Mario Barth verinnerlichte kein deutscher „Comedian“ so rückhaltlos die Devise, dass ein Witz nie platt, derb und dumm genug sein kann. Mit seiner unvergorenen Mischung aus Zotigkeit und Präpotenz bespielte Pocher nahezu das gesamte Spektrum des deutschen Privatfern­sehens und durfte – eine krasse Themenverfehlung! – sogar in der ARD eine überschaubare (und trotzdem quälende) Zeit lang Harald Schmidts Sidekick mimen. Zuletzt reichte es ­gerade noch für ein Moderatorenausgedinge im SAT.1-Trashformat „Promi Big Brother“, wenn auch nur in der ersten Staffel. Eine Kostprobe seiner abgeschmackten Instant-Komik lieferte er Ende Februar beim Opernball, als er den Lugner-Mietgast Kim Kardashian vor laufenden ORF-Kameras mit einem auf ihren Mann Kanye West gemünzten rassistischen Kalauer („Niggas in Vienna“) beflegelte.

Derselbe ORF gab vergangene Woche bekannt, dass derselbe Oliver Pocher ab September als Juror in der vierten Staffel von „Die große Chance“ fungieren wird. Zwar hatte er bereits im Ableger „Die große Comedy Chance“ mitgewirkt; das war allerdings vor dem Opernball-Eklat. Es genügt dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Österreich offenbar nicht mehr, abgehalf­terte Show-Importe anzuheuern – sie sollten nach Möglichkeit auch noch besonders dumpfbackig sein.

sven.gaechter@profil.at