Sven Gächter: Mediamarkt

Sven Gächter: Mediamarkt

Ein Entschuldigungsschreiben von Michael Jeannée ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein päpstlicher Freibrief für Gotteslästerer und Bigamisten.

Nun, seit vergangenem Freitag steht Franziskus mächtig unter Zugzwang, denn in seiner langen, von selbstgefälligem Presslufthammerzynismus gespeisten Karriere hat „Krone“-Rabiator Jeannée es erstmals für nötig erachtet, sich zu entschuldigen. Nicht für seine Aussage allerdings, wer alt genug zum Stehlen sei, sei auch alt genug zum Sterben (bezogen auf einen minderjährigen Einbrecher, der bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam). Auch nicht für seine auf „Kurier“-Herausgeber Helmut Brandstätter gemünzte „Hegeabschuss“-Forderung. Für solche Tiefpunkte gedruckter Menschenverachtung entschuldigte Jeannée sich in seiner Kolumne ausdrücklich nicht – sehr wohl aber für die Formulierung, die für den Tod von 71 Flüchtlingen Verantwortlichen seien „Tiere in Menschengestalt“.

Diese Wortwahl stelle „eine Beleidigung für die gesamte Tierwelt der Erde“ dar, erklärte Jeannée aufrichtig zerknirscht, und zwar an die Adresse der „lieben Tierfreunde“, die „in Hunderten von Leserbriefen, E-Mails und Telefonaten“ einen veritablen „Protest-Tsunami“ entfacht hatten. Wie viele Menschenfreunde wiederum ihr Entsetzen über das Schicksal Hunderttausender Flüchtlinge bei der „Kronen Zeitung“ deponierten, mochte der „Post“-Bote nicht verraten. Womöglich waren es nur überwältigend wenige. Immerhin ist es schön zu wissen, dass Jeannée ein so großes Herz für Tiere und deren Freunde hat.