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Mediamarkt: Ö3 und der Fall Elke Lichtenegger

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Mediamarkt: Ö3 und der Fall Elke Lichtenegger

Der Fall Elke Lichtenegger ist ein Musterbeispiel für die polydynamischen Funktionsweisen von Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert.

Eine ­Moderatorin des reichweitenstärksten Radiosenders des Landes, Ö3, gibt in einem der reichweitenschwächsten Fernsehsender des Landes, Okto, ein Interview, dessen präpotent-arroganter Sukkus – österreichische Bands sind erstens „vollkommen unbekannt“, weil zweitens „ganz schlecht“ – in die sozialen Netzwerke sickert und dort jene Shitstorms entfacht, für die Facebook, Twitter & Co. hauptsächlich erfunden worden zu sein scheinen. Lichtenegger erleidet einen Nervenzusammenbruch und muss im Krankenhaus behandelt werden. Später leistet sie auf ihrer Facebook-Site Abbitte für die umstrittenen Aussagen. Auch Senderchef Georg Spatt entschuldigt sich – ebenfalls via Facebook – für die „Gedanken- und Respektlosigkeit“ seiner Mitarbeiterin. Beide Statements sind übrigens explizit an die „Liebe Hit­radio-Ö3-Gemeinde“ beziehungsweise an die „Lieben Ö3-HörerInnen“ gerichtet, was wiederum von genau jenem hermetischen Selbstverständnis zeugt, das am Anfang der öffentlichen Erregung stand. Die Adressaten der Wiedergutmachungskampagne sollten doch eher die österreichischen Popschaffenden sein. Sie waren es, die ­beleidigt wurden, keinesfalls aber die Anhänger von Ö3 – es sei denn, diese verübelten dem Sender ihres Vertrauens insgeheim schon länger, keine heimischen Bands zu spielen. Wir harren gespannt der Stellungnahmen der lieben Ö3-HörerInnen, auf Facebook, Twitter – und insbesondere auf Okto.

sven.gaechter@profil.at