Sven Gächter: Mediamarkt

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In Paris fließt der Champagner bekanntlich in Strömen, und es regnet unentwegt Croissants vom wolkenlosen Himmel. In Paris geben die Kavaliere den Ton an; sie tragen pfiffige Barette, zwirbeln ihre Schnauzer und sagen „Oh, là, là“ oder manchmal auch „Ta gueule!“, aber nur, wenn sie unter sich sind. In Paris wurde das Laissez-faire erfunden. Dazu gehören die Liebe, das Essen, das Trinken und das Roulette – in beliebiger Reihenfolge, vorzugsweise in Gesellschaft. So ist das in Paris, tagein, tagaus, das ganze Jahr lang. Das ganze Jahr? Nein! Gelegentlich kommt es auch hier zu unstandesgemäßen Ausbrüchen von Profanität. „In Paris brodelt die Gerüchteküche“, meldete ORF.at vergangene Woche und bezog sich damit nicht auf ein exklusives Drei-Sterne-Etablissement: „Nachdem Frankreichs ­Außenminister Laurent Fabius seinen Rücktritt verkündet hat, scharrt Medienberichten zufolge ein bekanntes Gesicht der französischen Politik in den Startlöchern, um sein politisches Erbe anzutreten: Ségolène Royal.“

Die Vorstellung eines in den Startlöchern scharrenden Gesichts hat etwas Irritierendes, um nicht zu sagen: Gruseliges. Wie muss es um die französische Politik bestellt sein, wenn sie Gesichter in Startlöcher zwingt, und was wird aus einem bekannten Gesicht, wenn es dort erst einmal lange genug gescharrt hat? Unweigerlich ruft sich das düstere Erbe von Paris in Erinnerung: die Schreckensherrschaft der Guillotine. Politik ist ein grausames Geschäft, aber wenn man schon sein Gesicht verlieren muss, dann doch lieber in den Giftschwaden einer brodelnden Gerüchteküche.

Sven   Gächter

Sven Gächter