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Post-Corona-Freiheitsstress und Impfstoff im Depot

In heimischen Lagern liegen bald mehr als 20 Millionen Impfdosen bereit. Und die Post-Corona-Freiheit ist komplizierter als erwartet.

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Guten Morgen, 

Sie erinnern sich sicher an Ihren Corona-Impf-Termin. Vielleicht verbinden Sie Vorfreude, Verunsicherung oder Hoffnung mit jenem Tag. Sowas wie Normalität hat man uns versprochen. Doch nicht das Ende der Pandemie hat Corona dann aus unseren Köpfen gebracht, sondern der Ukraine-Krieg. 

Impfstoff war zunächst ein knappes Gut, es wurde getrickst und manch Bürgermeister bekam, damit dieses Gut nicht verdirbt, noch schnell eine Spritze. Und was gab es eine Aufregung darüber.

Schlussendlich sitzen wir nun mit viel zu viel Impfstoff da. Wie mein Kollege Clemens Neuhold in seinem profil.at-Artikel schreibt, gab es vergangene Woche gerade mal rund 100 Erststiche pro Tag. Aktueller Lagerstand: 16 Millionen Impfdosen, im zweiten Quartal kommen 6,5 Millionen Dosen dazu. Zwei Millionen werden an andere Staaten gespendet, der Rest bleibt im Depot. 

Bestellt ist bestellt. Auch angesichts der nun ausgesetzten Impfpflicht und möglicher neuer Wellen wurde großzügig geordert. Eine Reduktion ist nicht mehr möglich. Für den Herbst sind wir also impfstofftechnisch gerüstet. Immerhin etwas.

Im derzeitigen Stadium der Pandemie kann ich die Gefühlslage von Sebastian Hofer übrigens sehr gut nachempfinden. In seiner Kolumne “Ich habe ein Gefühl” beschreibt er jede Woche ein neues Sentiment. Diesmal: Der Freiheitstress. (Die ganze Kolumne lesen sie hier.) Jetzt, wo sich viele wieder treffen wollen, kommt man drauf, dass nicht jedes Treffen erbauend ist. Und nötig. Oder wie es Kollege Hofer so trefflich beschreibt: 

“Die große Angst, etwas zu verpassen, die Fear of Missing Out (FOMO), die einen früher einmal ja auch schon einmal erheblich gestresst und auf allerlei Veranstaltungen getrieben hat, ist einer neuen Furcht gewichen: Dem unangenehmen Verdacht, dass es da draußen gar nicht so viel zu verpassen gibt – oder zumindest nichts, was einen stressen müsste.” 

In diesem Sinne: Einen schönen Freitag und ein schönes Wochenende!

Sebastian Pumberger

Sebastian Pumberger

Sebastian Pumberger

ist seit Jänner 2022 bei profil und leitet das Online-Team. Davor war er bei der Tageszeitung "Der Standard".