Um ein Drittel mehr: Männer bevorzugen Karenz in den Sommermonaten.

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08/04/2022

Sommerzeit, Karenzzeit

Im August gehen die meisten Männer in Karenz. Warum die Veränderung des Karenzgeldes die politischen Ziele verfehlt hat. Morgenpost von Clara Peterlik.

von Clara Peterlik

Ganz ohne Neid, ich verstehe sie gut. Es ist um einiges lustiger im Sommer mit einem Baby im Freibad zu sitzen als im November den Kinderwagen durch kalten Nieselregen zu schieben. In den Sommermonaten gehen um ein Drittel mehr Männer in Karenz als im Rest des Jahres. Beim gehaltsabhängigen Kindergeld sind es sogar fast 70 Prozent, stellte der Rechnungshof fest.

Doch nicht nur die Zeit, auch die Zahl deprimiert: Vor einigen Jahren wurde das Kinderbetreuungsgeld, oft Karenzgeld genannt, verändert. Stattdessen: Ein gehaltsabhängiges Modell, das Männer, die oft besser verdienen, zu mehr Zeit mit dem Kind motivieren sollte. Es gehen jedoch seither nicht mehr in Karenz, sondern eher weniger, wie eine Studie der Arbeiterkammer zeigte. Etwa 20 Prozent der Väter nehmen mittlerweile eine Väterkarenz in Anspruch, meist bleibt es jedoch beim „Papamonat“. Nur drei Prozent gehen länger als drei Monate in Karenz. Die politischen Ziele wurden größtenteils verfehlt.

Verkürzt, verschoben

Und da kommen wir zu einem grundlegenden Problem. Frauen haben bei Schwangerschaften viele (wichtige) Pflichten, wie Untersuchungen oder Mutterschutz; Männer haben Möglichkeiten. Genau diese Pflichten machen es einfacher, im Berufsleben Grenzen zu ziehen. Möglichkeiten können aber lange diskutiert, verschoben und verkürzt werden.

Ein Plädoyer für mehr Pflichten klingt zwar nicht so sexy, sie haben aber einen Vorteil. Denn die Karriere von Frauen leidet, laut Studien, oft nicht nur daran, dass sie Kinder haben, sondern dass sie verdächtigt werden, in der Zukunft Kinder zu haben. Wenn auch Männer verdächtigt werden, in Zukunft wegen Kindern im Beruf auszufallen, wären wir schon ein Stück gleicher.

Knacker, Traubenzucker und Preisschilder

Gleicher macht uns auch die Inflation nicht, obwohl sie alle betrifft. Meine Kollegin Emilia Garbsch hat im ersten Bezirk, in Meidling und in Hernals in brütender Hitze vor Supermärkten mit Menschen über ihre Einkäufe gesprochen: Ob sie seit der Teuerung anders einkaufen, welche Sorgen sie begleiten und wie sie die politischen Maßnahmen sehen. Eine Leseempfehlung – nicht nur für jene, die am Supermarktband gerne auf die Einkäufe anderer schauen und sich deren Leben ausmalen.

Einen beschwingten Donnerstag wünscht,

Clara Peterlik