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Steigende Arbeitslosigkeit: Welche Gruppen stark betroffen sind

Die Arbeitslosigkeit steigt, sie trifft aber nicht alle gleichermaßen. Vor allem Ausländer und Geringqualifizierte werden derzeit arbeitslos. Warum das so ist – und sich das so bald nicht ändern wird.

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Die Konjunkturkrise ist jetzt auch in der Arbeitslosenstatistik angekommen. Vor allem am Bau und in der Industrie verlieren derzeit besonders viele Menschen ihren Job. Die Arbeitslosigkeit ist zuletzt wieder auf 6,8 Prozent gestiegen (aktuell sind 287.559 Menschen ohne Job, das ist ein Plus 0,6 %-Punkte mehr als im April 2023). Aber sie trifft nicht alle gleichermaßen. Genau genommen trifft sie Ausländer deutlich stärker als Inländer. Das Phänomen ist nicht neu. Das war in früheren Wirtschaftskrisen auch so. Aber warum?

Mehr als 40 Prozent aller Jobsuchenden sind derzeit keine österreichischen Staatsbürger. Bei Ausländern erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum April 2023 um ganze 17,8 Prozent, bei Österreicher:innen nur um sieben Prozent. Dennoch machen Staatsbürger noch immer die größere Gruppe aus. Am stärksten ist der Anstieg im Handel, am Bau und in der Produktion spürbar, meint AMS-Vorständin Petra Draxl.

Risikoreiche Branchen, niedrige Bildung

Nach den Österreichern kommen die meisten arbeitslosen Menschen aus Syrien (12 Prozent), der Türkei (10 Prozent), Serbien und Rumänien (beide 8 Prozent). Das hat auch sehr viel mit den Branchen zu tun, in denen sie tätig sind. Arbeitslose Ausländer:innen arbeiteten zuvor besonders oft in Branchen wie Industrie, Bau und Gastronomie. Auch Leharbeiter sind einem höheren Risiko ausgesetzt, arbeitslos zu werden. Das liegt daran, dass ihre Arbeitgeber besonders sensibel auf eine schwächelnde Wirtschaftslage oder auf saisonale Schwankungen reagieren. Kurz gesagt: Sie gehören zu jenen Arbeitnehmer:innen, die in Krisenzeiten als Erste gefeuert werden. Anders als das Stammpersonal sind Leiharbeiter nicht vom Kollektivvertrag geschützt.

Gleichzeitig bieten genau diese Branchen oft die einzigen Möglichkeiten für Menschen ohne Ausbildung und mit geringen Sprachkenntnissen, überhaupt einen Job zu finden. Dennoch: Fast 40 Prozent der (sofort verfügbaren) offenen Stellen haben im Jahr 2023 zumindest eine abgeschlossene Lehrausbildung verlangt. Auch wenn derzeit besonders viele Händler und Bauunternehmen um Arbeitskräfte ringen, seien laut Petra Draxl „alle Branchen von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen“. Die AMS-Vorständin sagt außerdem, dass derzeit keine „Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung am österreichischen Arbeitsmarkt“ zu erkennen seien. Dafür würde auch der Rückgang an offenen Stellen sprechen, so Draxl gegenüber profil.

Wer nur die Pflichtschule absolviert, hat das höchste Arbeitslosigkeitsrisiko. Eine gute Mehrheit (44,9 Prozent) aller Arbeitslosen hat maximal die Pflichtschule besucht. AMS-Chef hebt die Wichtigkeit eines höheren Abschlusses hervor: „Insbesondere die großen Trends am Arbeitsmarkt wie Digitalisierung und Ökologisierung werden die Jobchancen von niedrig Qualifizierten weiterhin herausfordernd machen.“

Eine gute Bildung sei „statistisch der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit“ – und zwar unabhängig von der Herkunft.

Elena Crisan

Elena Crisan

Wenn sie nicht gerade für den Newsletter "Ballhausplatz" mit Politiker:innen chattet, schreibt sie im Online-Ressort über Wirtschaft und Politik.