profil vor 25 Jahren: "Andrew Lloyd Webber und der Musical-Boom"

So nah war das Phantom der Oper schon da, Anfang 1989, dass profil in seiner Titelgeschichte vom 2. Jänner einfach die Frage stellen musste: „Andrew Lloyd Webber und der Musical-Boom: Fest oder Pest?“ Rein umsatztechnisch standen die Zeichen auf ersterem: „Zum ‚Cats’-Tourismus ins Ronacher und zur ‚Les Misérables’-Reise ins Raimundtheater gesellt sich der ‚Phantom’-Verkehr ins Theater an der Wien.“ Musicalveranstalter und andere Tourismusbeauftragte erkannten darin übrigens eine eindeutig ökonomisch-pädagogische Win-Win-Situation: „Bildungsferne Bevölkerungsgruppen hätten erstmals Zugang zur Kunst in Form unterhaltender Musicals, denn der Musical-Betrieb liege genau an der Schnittstelle der beiden Zentralmotive für Städtereisen (Nämlich ‚Kultur und Bildung’ sowie ‚Vergnügen’).“ Der Komponist himself, Herr Lloyd Webber, verstand von derlei Kosten-Nutzen-Rechnungen leider nicht so viel, wie er im profil-Interview versicherte („Ich denke eigentlich nicht in kommerziellen Kategorien“), was aber andererseits auch egal war, weil: „Ich glaube, ich bin ein Opernkomponist“.

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Apropos Bescheidenheit: profil erreicht in jenen Tagen ein geschichtsträchtiger Leserbrief, in dem ein gewisser Hans Dichand sein Berufsverständnis darlegte. Die dabei verwendete Formulierung sollte sprichwörtlich werden: „Einer meiner Grundsätze heißt jedoch, Journalisten, sollten nie Macht ausüben. Das muss sie von Politikern unterscheiden. Journalisten dürfen, das ist meine feste Ansicht, nicht über den ‚Vorhof der Macht’ hinausgehen.“ Oder, um es mit Alexander Goebel zu singen: „Komm’ sing mit mir heut’ Nacht / Bei Kerzenschein / Dann fängt dich meine Macht noch stärker ein.“

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Sebastian Hofer