profil vor 25 Jahren: „Auf wen Franz Vranitzky hört”

"Auf wen Vranitzky hört“, versuchte profil in der Ausgabe vom 30. Jänner 1989 herauszufinden. Denn die Orchestrierung der im Sog der "Lucona“-Affäre erfolgten Rücktritte zweier SPÖ-Schwergewichte - Innenminister Karl Blecha und Nationalratspräsident Leopold Gratz - hatte dem Kanzler "die bisher schwerste Woche seiner Karriere“ beschert. Franz Vranitzky fiel dazu ein Vergleich aus der Welt des Sports ein: Ein Boxer habe auch "drei Betreuer, einen Arzt und 6000, die ihm zujubeln. Im Ring ist er dann dennoch ganz allein.“

Allein gegen alle präsentierte sich Skistar Marc Girardelli. Seit sein Vater Training und Management übernommen hatte, weil er den Buben im ÖSV "nicht optimal gefördert sah“, startete der junge Vorarlberger für Luxemburg, fuhr der Konkurrenz davon und beherrschte auch die Weltcupsaison 1988/89. Der 26-Jährige sah seine mangelnde Beliebtheit nüchtern ("Ich habe vielleicht zwei Fans pro Rennen“) und blieb gelassen ("Ich bin gern allein“). Gehässigkeiten war er gewohnt: von Konkurrenten, Journalisten, sogar von Weltcup-Direktor Serge Lang, der 1986 gemeint hatte, Girardelli sei "das größte Arschloch, das je eine Medaille gewonnen hat.“

Nicole Schmidt