profil vor 25 Jahren: Bürgerkrieg in Jugoslawien?

Bürgerkrieg in Jugoslawien?, fragte profil in der Ausgabe vom 6. März 1989, und tatsächlich gaben die Ereignisse in Österreichs südlichem Nachbarland Anlass zu den schlimmsten Befürchtungen. Slobodan Milosevic ließ im Kosovo die Panzer rollen, begleitet von kriegshetzerischer Rhetorik. Und vor dem Parlament in Belgrad skandierten nationalistische Demonstranten: „Wir geben Kosovo nicht her.“ Der Bruch ging quer durch das Land. Von den sechs Teilrepubliken Jugoslawiens standen Mazedonien und Montenegro in der Kosovo-Frage auf der Seite Serbiens; ­Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzgowina „haben sich offen für die Kosovo-­Albaner und gegen die serbische Hegemonie ­deklariert“, berichtete ­profil. Der Gründer von Sloweniens sozialdemokratischer Partei SDS, France Tomsic, zeigte sich im Interview überzeugt davon, dass es in Jugoslawien „unweigerlich zum Bürgerkrieg“ kommen werde, sollte Slobodan Milosevic demokratische Freiheiten zurücknehmen.
In seinem Nachruf auf Nobelpreisträger Konrad Lorenz befürchtete Günther Nenning, dass die ­Regierung nun, da der Umweltschützer und „große Warner“ nicht mehr „im Weg, sondern im Ehrengrab“ sei, ohne Rücksicht auf die Natur die Donau mit Kraftwerken verbauen werde. Nenning: „Da wir keinen Konrad Lorenz mehr haben, brauchen wir jetzt ein eigenes nationales Gewissen.“

Nicole Schmidt