profil vor 25 Jahren: „Der Fall Sallaberger“

profil vor 25 Jahren: „Der Fall Sallaberger“

Eine Affäre mit SP-Tangente jagte anno 1988 die andere, profil ergänzte den Reigen in seiner Ausgabe vom 5. Dezember um den „nächsten Fall“: Günther Sallaberger. Es hatte ganz unschuldig begonnen: „Sallaberger kommt aus dem Hilfsarbeiter-Milieu. Sein Vater war Taglöhner, er selbst – Jahrgang 1940 – ein uneheliches Kind.“ Das Kind arbeitete sich hoch und wurde im Sommer 1988 SP-Zentralsekretär. Kein halbes Jahr später veröffentlichte profil Zahlungsbelege, die dokumentierten, dass die Partei Sallaberger neben seinem Grundgehalt als Wiener Landtagspräsident auch „Aufwandsentschädigungen“ ausgezahlt hatte. Dass dabei auch nicht darauf vergessen wurde, einen „13. Anteil“, wohl als eine Art Urlaubs- oder Weihnachtsentschädigung, zu verrechnen, schwächte Salllabergers Argumentation, es handle sich um „echte Aufwendungen, für Bewirtungen und sonstige Ausgaben“, doch deutlich. Die eigentliche Gretchenfrage, nämlich ob die Entschädigung auch korrekt versteuert worden war, konnte profil nicht mehr stellen: „Nach genau 54 Minuten ist unser Gespräch abrupt zu Ende. Sallaberger steht auf und lässt uns in den Wandelgängen des Parlaments stehen.“ Ebenso abrupt endete kurz darauf Sallabergers Parteilaufbahn, der gelernte Messer- und Feinzeugschmied wechselte in die Privatwirtschaft und war später unter anderem als Geschäftsführer der Wiener Messe G.m.b.H. tätig.

Sebastian Hofer