profil vor 25 Jahren: Sexualerziehung mit dem „Sex-Koffer”

Ein neuer Unterrichtsbehelf für Sexualerziehung an den Schulen sorgte für Proteste und war auch Thema der Coverstory vom 29. Mai 1989.

Die „Plattform Ärzte für Leben” kritisierte den "Sex-Koffer" als "Versuch zur Verführung Abhängiger zur Unzucht“, in einer "Erklärung der Bischöfe Österreichs“ stand anklagend, "das heranwachsende Kind und die pubertierende Jugend ... werden durch ein für sie unnötiges Sexualwissen gestört“. In der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung parierte man derlei Vorwürfe mit der Tatsache, "dass 40 Prozent der Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder aufzuklären“. ÖVP-Familienministerin Marilies Flemming war zwar prinzipiell für Kritik offen, aber jedenfalls überzeugt, dass Sexualerziehung in der Schule wichtig sei. Einen Änderungsvorschlag hatte sie allerdings: Gespräche über Verhütungsmittel in der Klasse sollten nach Geschlechtern getrennt abgehalten werden. Ihre Begründung: "Glauben Sie, ein Bub fragt danach, wie das mit dem Gummi wirklich geht, wenn seine Angebetete zwei Reihen vor ihm sitzt?“

Nicole Schmidt