profil vor 25 Jahren: "Vranitzkys teurer Fehler"

Über "Vranitzkys teuren Fehler“ konnte profil in seiner Ausgabe vom 12. Dezember 1988 eine ganze Titelgeschichte lang klagen, es ging um den holprigen Umgang des SP-Parteivorsitzenden mit einer damals wahnsinnig aufregenden Steuerangelegenheit in der Wiener Landespartei, die Herbert Salcher, bis 1984 Finanzminister, zur der Beurteilung kommen ließ: "Die Steuerehrlichen fühlen sich ge foppt. Das kann man nur mehr global bereinigen.“ Aus heutiger Sicht erscheint die Sache relativ unskandalös: Unterm Strich ging es um buchhalterische Spitzfindigkeiten, was den Parteichef allerdings nicht davor bewahrte, erheblich an Strahlemann-Image einzubüßen.

Vranitzky stand damit ganz im Gegensatz zum neuen Strahlemann von Kärnten, der sich - buchstäblich - im Aufwind befand: "Weil Haider auf drei Kirtagen tanzen muss, wird sein Einsatz (meist mit Hubschrauber) und der seiner Mitstreiter in Kärnten, Tirol und Salzburg per EDV gesteuert. FP-Geschäftsführer Armin Kodesch: ‚Wir wissen auf Knopfdruck, wer gerade wo ist und was er dort sagt.‘“ Die Hightech-Wahlwerbung zahlte sich offenbar aus, Kärnten stand laut OGM-Umfrage vor einem politischen Erdrutsch: "Ende November hätten, so die Studie, 48 Prozent der Kärntner die SPÖ, 26 Prozent die FPÖ, 22 Prozent die ÖVP und 2,5 Prozent die Grünen gewählt.“

Und die ÖVP? Schwieg verdächtig brav zu den Steuerquerelen ihres großen Koalitionspartners. profil-Kolumnist Reinhard Tramontana fand es "rührend zu beobachten, wie Politiker nach wie vor die Ausnahmen mit der Regel verwechseln“ und versuchte eine Erklärung: "Ungeachtet vergangener Fälle glaube ich nicht so sehr an das schlechte Gewissen, sondern an die Tradition der ÖVP, immer zum richtigen Zeitpunkt schmähstad zu sein.“

Sebastian Hofer