profil vor 44 Jahren: FPÖ zwischen Macht und Pleite

"China brennt“, stand in himmelblauen Lettern auf dem Cover der ersten profil-Ausgabe vom 1. September 1970:

„Wir sind der Meinung, dass es in Österreich endlich eine Zeitschrift geben sollte, die intelligente Menschen unabhängig von allen Interessengruppen über die Hintergründe des politischen, kulturellen und sonstigen Geschehens informiert“, schrieb Oscar Bronner in der ersten profil-Ausgabe. Innenpolitisch gab’s 1970 viele Hintergründe auszuleuchten. profil berichtete über geheime Treffen von Kanzler Kreisky mit FPÖ-Chef Peter und über die Stimmung in den Parteizentralen („Alle haben Angst“) vor der Abstimmung über das erste sozialistische Budget: Kreisky fürchtete im Fall einer Abstimmungsniederlage das Ende seiner Minderheitsregierung; die ÖVP wollte naturgemäß einem SPÖ-Budget nicht zustimmen, hatte aber Angst vor einer Niederlage bei vorgezogenen Neuwahlen, die einem Scheitern des Budgets folgen würden; und die FPÖ fürchtete im Fall ihrer Zustimmung „einen weiteren Imageverlust“ bei ihren Wählern. Die Fünf-Prozent-Partei, der plötzlich viel mehr politisches Gewicht zukam, als ihrer Größe entsprach, war auch Thema der Titelgeschichte: „FPÖ zwischen Macht und Pleite“. Und auch dem Pop-Business widmete sich profil, stand doch ein Stones-Konzert in der Wiener Stadthalle bevor. Das Event sollte eigentlich im Stadion stattfinden, doch die Verwaltung „fürchtete um den geheiligten Rasen.“

Nicole Schmidt