AUF1-Mikrophon
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Der Verschwörungssender AUF1 feiert fünften Geburtstag. Dort kommt es zu einer Vernetzung der Kader der rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Szene in Österreich. Darunter: Martin Sellner.

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Das Gasthaus zum Zirbenschlössl schaut mit seinen Türmen aus wie eine kleine Burg. Nur thront es nicht auf einem Hügel in der Pampa, sondern direkt neben der Autobahn im Sipbachzeller Gewerbepark. Eine Autostunde von Linz entfernt bietet das Gasthaus mittlerweile zum zweiten Mal Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten einen Ort zum Feiern. 

Am 9. Mai zelebriert der Verschwörungssender AUF1 hier sein fünfjähriges Bestehen und bittet einschlägige Akteure auf die Bühne. Der oberösterreichische Online-Sender wurde im am Montag veröffentlichten Verfassungsschutzbericht 2025 als „das mit Abstand reichweitenstärkste rechtsextreme“ Alternativmedium in Österreich bezeichnet.

AUF1 verbreite verfassungsfeindliche Inhalte, antisemitische Verschwörungsnarrative und Desinformation, heißt es in dem Bericht. Im Gewand eines seriösen Nachrichtensenders ist auf der Website des Senders von „Queer-Propaganda für Kinder“ oder „Von der Leyens Zensur-App“ die Rede. Bei dem Geburtstagsfest des Alternativmediums kommt am Wochenende das „Who-is-who“ der rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Szene zusammen – von Martin Sellner bis Martin Rutter. 

Seit einigen Jahren wird ein Schulterschluss zwischen rechtsextremen Organisationen beobachtet, die demokratische Prinzipien ablehnen. Das Konzept von neurechten Denkern trägt den Namen „Mosaik-Rechte“ und hat zum Ziel, dass politische Parteien (wie die FPÖ), alternative Medien (wie AUF1) und außerparlamentarische Organisationen (wie die Identitären) sich zusammenschließen. Die Arbeit soll aufgeteilt werden, um gemeinsam die liberale Demokratie von innen heraus abzumontieren. Das AUF1-Zuschauerfest ist ein Paradebeispiel dafür. 

Eine Menschenmenge demonstriert auf einer Straße, im Hintergrund Polizisten.
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Der Gastgeber und seine Vergangenheit

Selbstverständlich wird Chefredakteur und Mitbegründer des Senders, Stefan Magnet, vor Ort sein. In jungen Erwachsenenjahren war er beim Bund freier Jugend (BfJ) aktiv, der Anfang der 2000er verdächtigt wurde, eine neonazistische Gruppierung zu sein. Während der Corona-Krise schaffte Magnet es mit AUF1, sein Desinformationsnetzwerk von Oberösterreich aus auf den gesamten deutschsprachigen Raum auszuweiten. FPÖ-Chef Herbert Kickl war wiederholt im AUF1-Studio zu Gast. Die Freiheitlichen haben den rechtsextremen Sender vom 20. November 2025 bis zum 20. Jänner 2026 mit 19.200 Euro gesponsert. In einem Buch beschreibt Magnet „Transhumanisten“, die durch Nanoroboter oder Microchips den Menschen mit der Maschine verschmelzen und so Cyborgs züchten wollen. 

Sellner lehnte das Angebot ab, unterstützt das BZÖ aber.
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Der rechtsextreme Promi

Der prominenteste Gast ist wohl Martin Sellner. Er ist die wichtigste Führungsperson der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ), deren Symbole hierzulande verboten sind. Der Verfassungsschutz bezeichnet die Identitären als „Hauptgruppierung der neuen Rechten“. Mit der „neuen Rechten“ ist ein rechtsextremes Netzwerk gemeint, das aus mehreren Organisationen besteht. Die FPÖ hat mit den Identitären keine Berührungsängste. Ganz im Gegenteil: Herbert Kickl bezeichnete die rechtsextreme Gruppierung als „unterstützenswertes Projekt und NGO von rechts“. Sellners Buch „Remigration. Ein Vorschlag“ bewirbt die massenhafte Abschiebung von Menschen mit Migrationshintergrund, auch von Staatsbürgern. Seine rechtsextreme Ideologie wirkt über Österreichs Grenzen hinaus. Der rechtsextreme Attentäter von Christchurch (Neuseeland) spendete Anfang 2018 etwa 1500 Euro an den Identitären-Chef. Im März 2019 ermordete der Australier bei einem Angriff auf zwei Moscheen 51 Menschen und verletzte 50 weitere. AUF1 hat Sellners rechtsextremen Ansichten immer wieder eine Plattform geboten. Verwunderlich ist also eigentlich nur, dass der Identitäre erst beim fünften AUF1-Zuschauerfest im Line-up vertreten ist. 

Ein Mann mit Bart gestikuliert in einem weißen Hemd mit Wappen.
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Der Verschwörungstheoretiker

Neben Sellner wird auch Martin Rutter auf der Bühne des Festsaals stehen. Rutter fungierte vier Jahre lang als Landtagsabgeordneter in Kärnten (Team Stronach). Nachdem er in seiner Funktion die Migration nach Europa als einen gezielten Bevölkerungsaustausch oder „politisch gewollte Massenimmigration“ bezeichnete, wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Mittlerweile ist er ein zentraler Protagonist der österreichischen Impfgegner-Szene. Auf einer Querdenker-Demo in Wien diffamierte er die Regenbogenfahne als ein „pädophiles“ Erkennungszeichen. Seitdem steht er unter Beobachtung durch den österreichischen Verfassungsschutz. Rutter organisiert aber weiterhin Demonstrationen, die er als „100 % patriotisch“ bezeichnet und die sich „gegen alle Pläne der Globalisten“ richten würden. Die Mobilisierungen von Rutter umfassen laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) „nach wie vor Identitäre, Neonazis und rechtsextreme Hooligans.“ Auch profil hat eine Vergangenheit mit dem Verschwörungstheoretiker. Nachdem er mit einer Medienklage gegen profil gescheitert ist, darf man ihn offiziell als Verschwörungstheoretiker bezeichnen. Darüber hinaus wurde im gleichen Verfahren gerichtlich bestätigt, dass der Impfgegner ein Rechtsextremist ist. Wie profil bereits berichtete, tourt Rutter im Oktober auf Einladung des Freiheitlichen Bildungsinstituts durch Niederösterreich, um als Vortragender bei sogenannten „Corona-Stammtischen“ die „kritische Aufarbeitung der Coronamaßnahmen“ und „die Rolle internationaler Organisationen wie WHO und EU“ zu besprechen.

Mann im Anzug bei einer FPÖ-Konferenz
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Der Corona-Leugner

Zudem ist der in Ungnade gefallene Hausarzt Andreas Sönnichsen beim AUF1-Zuschauerfest vertreten. Dieser wurde von der Medizinischen Universität Wien als Professor gekündigt, weil er angeblich COVID-19-Maßnahmen nicht eingehalten und andere zur Nichteinhaltung aufgefordert habe. 2024 saß er im Bundesvorstand der Partei „Menschen – Freiheit – Grundrechte“ (MFG). Zur Pandemie hat er ähnliche Behauptungen wie Rutter im Gepäck. „Das Ganze war inszeniert und es ist seit Jahrzehnten vorbereitet, uns zu willfährigen Patienten zu machen, die diesem System dienen“, sagte er im deutschen Bundestag, nachdem ihn die AfD zu einer Fachkonferenz einlud. Und auch die FPÖ solidarisiert sich mit dem Impfgegner, was sich durch eine gemeinsame Pressekonferenz während der COVID-19-Pandemie äußerte. Aktuell stellt er für rund 240 Euro Impfunfähigkeitsbescheinigungen in seiner Praxis im Salzburger Land aus. Mehrere Gesundheitsämter akzeptieren diese offenbar pauschal ausgestellten Bescheinigungen nicht mehr.

Maskierte Frau in blauer Jacke auf einer Corona-Demo mit Maskenpflicht
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Die Diskursverschieberin

Neben Chefredakteur Magnet werden weitere AUF1-Kader auf der Bühne stehen. Darunter die ehemalige Chefredakteurin des rechtsextremen „Wochenblick“, Elsa Mittmannsgruber. Mittlerweile ist sie Moderatorin des rechtsextremen Senders und Ehefrau von Magnet. In ihren Büchern relativiert sie Einordnungen und Begriffe, mit denen AUF1 – unter anderem vom Verfassungsschutz – konfrontiert wird. Ansichten, die als rechtsextrem „abgestempelt“ werden, will die Autorin durch ihre Titel enttabuisieren. Dazu zählen Aussagen wie „Remigration – was sonst?“, „Sexisten sind sexy“ oder „Mut zur Verschwörungstheorie!“.

Vertreter der FPÖ stehen laut Flyer beim Zuschauerfest nicht auf der Gästeliste, auch wenn eine Zusammenarbeit mit obenstehenden Akteuren in anderen Kontexten teils evident ist. Die Karten für das Verschwörungs-Spektakel sind jedenfalls schon vergriffen. Was dort auf offener Bühne gesagt wird, kann man sich aber auch so denken.