Jährlich kommt es am Abend des Akademikerballs zu Demonstrationen gegen den Ball.

#aufstehn: "Wir wollen Alternativen anbieten"

Diesen Freitag findet in der Wiener Hofburg der Akademikerball (vormals WKR-Ball) statt. Der Verein #aufstehn hat eine Spendenaktion gegen den umstrittenen Ball ins Leben gerufen.

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Alljährlich kommt es rund um den von der FPÖ veranstalteten Akademikerball zu Protesten und Demonstrationen. Die Veranstaltung gilt als Highlight der Ballsaison für schlagende Burschenschaften und Treffpunkt für rechte Politiker aus ganz Europa. Die in den vergangenen Jahren besonders aktive Protestplattform "NO WKR" nimmt heuer nicht mehr an den Demonstrationen teil. Dafür hat der Verein #aufstehn eine Spendenaktion gestartet, die den Ball in ein Charity-Event verwandeln soll. profil hat sich mit Geschäftsführerin Maria Mayrhofer über die Protestaktion und die Hofburg als zweifelhaften Veranstaltungsort für den Ball unterhalten.

profil: Ihren Verein #aufstehn gibt es seit einem Jahr. Was ist Ihr Anliegen? Maria Mayrhofer:Unser Anspruch ist es, in Österreich eine alternative Partizipationsmöglichkeit zur klassischen Parteipolitik zu bieten. Viele Menschen wollen etwas ändern. Die traditionelle Parteimitgliedschaft von der Wiege bis zur Bahre als einzige Möglichkeit sich zu engagieren, ist aber nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen Alternativen anbieten.

Schritt für Schritt widmen wir eine nach der anderen Kartenkategorie um.

profil: Wie sehen diese aus? Mayrhofer: Der erste Schritt ist, seinen Namen unter einen offenen Brief zu setzen, oder einen kurzen Beitrag zu schreiben. In Traiskirchen haben wir als Antwort auf Flugblätter der Identitären, die Flüchtlinge abschrecken sollten, eine Gegenaktion gestartet. Wir schicken nach jeder Aktion zudem immer Rückmeldungen aus, und treten in Austausch mit unseren Unterstützern.

profil: Aktuell steht Ihr Projekt zum Akademikerball im Fokus. Worum geht es hierbei? Mayrhofer: Wir wollen den Akademikerball zu einer Charity-Aktion umdrehen, indem man auf unserer Website die ohnehin verkauften Ballkarten für einen guten Zweck umwidmen kann. Sprich: Wir schätzen, auf Grund der Zahlen aus dem Vorjahr, dass es in etwa 1000 Ballbesucher gibt. Schritt für Schritt widmen wir eine nach der anderen Kartenkategorie um - von der Jugendkarte in der Höhe von 30 Euro bis zur Goldloge um 1950 Euro. Die Aufteilung der Kartenkategorien ist allerdings fiktiv, weil uns dazu keine Informationen vorliegen. Erreichen wir 25% des geschätzten Kartenwertes - also in etwa den Gewinn, den die Veranstalter pro Karte machen - gilt diese als umgewidmet. Haben wir alle Karten umgedreht, kommen wir auf einen Betrag von 11.000 Euro. Derzeit stehen wir bei 9.158 Euro. Das Geld spenden wir dem Projekt "Flüchtlinge Willkommen".

Maria Mayrhofer von #aufstehn: "Die traditionelle Parteimitgliedschaft als einzige Möglichkeit sich zu engagieren ist nicht mehr zeitgemäß."

profil: Warum haben Sie gerade dieses Projekt ausgewählt? Mayrhofer: In Österreich fehlt es an vielen Quartieren für Flüchtlinge. Es gibt zwar Großquartiere, aber dort haben Flüchtlinge keinen Kontakt zu den Einheimischen, und zu Menschen ihrer Altersgruppe. Das Projekt "Flüchtlinge Willkommen" versucht nicht nur Quartiere zu finden, sondern die Flüchtlinge auch so unterzubringen, dass sie eine Perspektive bekommen und Anschluss finden.

profil: Wissen die Veranstalter über Ihre Aktion gegen den Akademikerball Bescheid? Mayrhofer: Sie wissen auf jeden Fall Bescheid. Wir bekommen viele E-Mails und Facebook-Postings.

profil: Was machen die Unterstützer von #aufstehn am Ballabend? Mayrhofer: Wir nehmen an der Kundgebung vor der Hofburg teil. Das ist aus einer Kooperation mit "Jetzt Zeichen setzen" entstanden. Es werden Künstler und Parteivertreter auftreten und Reden halten.

Rechtsextremismus und menschenfeindliche Weltanschauung haben in den repräsentativsten Räumlichkeiten unserer Republik nichts verloren.

profil: Richtet sich Ihre Aktion grundsätzlich gegen den Akademikerball oder nur gegen den Verantsaltungsort Hofburg? Mayrhofer: Die Menschen, die auf dem Akademikerball tanzen, vertreten Ideologien, die wir verurteilen. Rechtsextremismus und menschenfeindliche Weltanschauung haben in den repräsentativsten Räumlichkeiten unserer Republik nichts verloren. Gerade jetzt, wo wir mit der Flüchtlingsproblematik konstruktiv umgehen müssen, ist das ein problematisches Zeichen. Dadurch wird die Salonfähigkeit dieser Ansichten gesteigert.

profil: Warum protestiert #aufstehn eigentlich nicht auch gegen die Rudolfina Redoute, den Ball der Verbindungen, der ebenfalls jedes Jahr in der Hofburg stattfindet? Mayrhofer: Das ist mir nicht bekannt.

ZUR PERSON Maria Mayrhofer studierte Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung und ist Geschäftsführerin des Vereins #aufstehn.