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profil-Morgenpost
12/14/2020

Adorno an Anschober

Guten Morgen!

von Christian Rainer

Dies ist die vorletzte Woche vor Weihnachten. In der aktuellen Print-Ausgabe hat die profil-Redaktion daher versucht, allen Hoffnung zu geben. Wir haben die „WissenschafterInnen auf der (erfolgreichen) Suche nach dem Corona-Impfstoff” zum „Mensch des Jahres” gemacht. Damit ist unsere Weihnachtsstory erzählt und wir können uns wieder ernsteren Dingen zuwenden.

Wenn Sie glauben, das eben sei eine kleine Finte gewesen, und ich würde jetzt erst recht Dinge aus der Abteilung „Lustiges und Peinliches” hervorkramen, täuschen Sie sich. Obwohl … also einen kleinen Scherz, der auf Twitter kursierte, will ich doch anbringen. Da wandte sich ein gewisser Cornelius Mendez (@ConMend) an die Verschwörungstheoretiker vulgo Corona-Impfgegner und tweetete: „I wonder how Bill Gates is going to spend his first day in control of Margaret Keenan, 90, from Coventry.” Frau Keenan hat ja bekanntlich als erste Britin die Corona-Impfung verabreicht bekommen, und Gates hat ihr dabei ebenso bekanntlich einen Mikrochip eingesetzt.

Jetzt aber ernst. Ich frage mich seit Monaten und hiermit frage ich den Gesundheitsminister: Warum macht man nicht FFP2-Masken überall dort zur Pflicht, wo ohnehin Maskenpflicht besteht? Nur weil sie weniger lustig aussehen als all die wunderbaren Tiger-/Priester-/Sebastian-Kurz-Masken, die im Umlauf sind? Angeblich schützt FFP2 ja nicht nur gegen die feuchte Aussprache des Gegenübers, sondern filtert auch Aerosole. (Wer hätte dieses Wort vor einem Jahr gekannt? Immerhin EIN zivilisatorischer Fortschritt, den wir Covid-19 verdanken. Danke!)

Ich halte MNS-Masken ja eher für eine psychologische Maßnahme, FFP2-Masken hingegen nicht. Warum stelle ich diese Frage dem Gesundheitsminister und nicht dem Kanzler? Weil „in Regierungskreisen” behauptet wird (also weil mir ein Regierungsmitglied sein Leid klagte), Rudi Anschober traue sich nicht darüber, die entsprechenden Bestimmungen zu verschärfen oder entsprechend zu interpretieren. Stimmt das? Herr Minister, bitte melden!

Abschließend zur Wocheneinstimmung doch noch etwas Lustiges, ein Tweet, der ein berühmtes Interview mit Theodor Adorno am Höhepunkt der Studentenproteste parodiert:

SPIEGEL: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung ...
ADORNO: [niest in die Armbeuge]

Im Original:

SPIEGEL: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung …
ADORNO: Mir nicht.

Ok, doch nicht so lustig.

Es grüßt Sie und wünscht einen schönen Tag

Christian Rainer
Herausgeber und Chefredakteur

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