Sebastian Kurz hofft auf "enge Zusammenarbeit" mit Biden-Administration

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profil-Morgenpost
12/03/2020

Der Tag des Haares

Der Bundeskanzler gerät erstmals aus der Fasson.

von Christian Rainer

Wie sehr die Ausscheidungen am Dampfen sind, wo Österreich in der Corona-Krise wirklich steht und liegt, wurde bei der gestrigen Pressekonferenz der Bundesregierung deutlich. Genauer: bei den Pressekonferenzen, da es davon am Mittwoch aus unerklärlichen Gründen wieder einmal ein gefühltes Dutzend gab. Jedenfalls: Es stinkt im Lande Österreich!

Dieser Befund ergibt sich nicht auf Basis olfaktorischer Proben, zumal wir angesichts permanenter Virus-Selbstreflexion unserem Riechorgan ohnehin nicht mehr trauen. Vielmehr war es ein visueller Eindruck, der uns irgendwas zwischen nachdenklich und panisch machen muss: Erstmals – ich wiederhole: Erstmals! – seit Sebastian Kurz die Bühne betreten hat und den Bundeskanzler der Republik gibt, erstmals also hat Kurz die Fasson verloren und damit die Fassung: Dem Bundeskanzler standen vor laufenden Kameras die Haare zu Berge; ein deutlich sichtbares Büschel rechts am Hinterkopf hatte sich gegen Spray, Gel, Schuhpasta, was immer es auch sein mag, aufgebäumt und strebte minutenlang wider die Schwerkraft quer und senkrecht zur ansonsten wie immer makellosen Frisur.

 

Was soll man da noch sagen? Im Vergleich zu diesem optischen Offenbarungseid macht die inhaltliche Analyse der gestrigen Auftritte wenig her. Nur mehr en passant fragen wir uns: Wollte man Ressentiments bedienen, um von der allgemeinen Orientierungslosigkeit abzulenken, als der Innenminister betonte, "30 Prozent der Covid-Infektionen" seien von Rückkehrern aus dem Ausland eingeschleppt worden und davon wieder "72 Prozent vom Westbalkan"? Oder ist das einfach die Wahrheit? (Richtige Antwort: Beides stimmt; wir kennen dieses Doppelspiel inzwischen zu Genüge.) Und: Was genau will uns Nehammer mitteilen, wenn er erklärt: "Es zipft uns richtig an." (Richtige Antwort: die Wahrheit.) Schließlich: Wie kommt ZiB-Innenpolitik-Chef Hans Bürger zu der Aussage, die Regierung bewege sich zunehmend zwischen "Traum und Wirklichkeit". (Richtige Antwort: durch die jahrzehntelange Erfahrung eines abgebrühten Journalisten.)

 

Jedenfalls scheint sich Österreich in einer schlimmen Situation zu befinden. Die bayrische Analyse dazu war – ebenfalls gestern – in der "Augsburger Allgemeinen" zu lesen: eine Retourkutsche für viele Kutschen, die Österreich zuletzt in Richtung Deutschland hatte fahren lassen.

Und zuallerletzt: Nicht nur der Kanzler trug die Zeichen der Zeit am Haupte. Wer den Nachmittag durchhielt konnte spät noch den Finanzminister bei seiner eigenen Pressekonferenz verfolgen: ebenfalls mit zerstörter Haarpracht, bei Gernot Blümel in Form eines wilden Durcheinanders am linken Scheitel.

Einen guten Tag wünscht Ihnen

Christian Rainer

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