Simulationsforscher Niki Popper

© APA/HELMUT FOHRINGER

Österreich
11/12/2021

Corona: Aufstand der Wissenschaft nach Haslauer-Sager

Popper: „Zusammenarbeit mit Politik manchmal ein Desaster“. Pandemie-Erklärer fordern neue, verbindliche Stelle und Stimme für wissenschaftliche Analysen.

von Clemens Neuhold

Die Virologen würden die Menschen am liebsten daheim einsperren, damit sich niemand mehr infiziert. So hat der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer vergangenen Mittwoch Pandemie-Experten verunglimpft, die sich für regionale Lockdowns aussprachen. Das brachte bei einigen Experten, die sich seit Beginn der Pandemie um Aufklärung bemühen, das Fass zum überlaufen. In der „Zeit im Bild 2“ am Donnerstag meinte der Komplexitätsforscher Peter Klimek ungewöhnlich emotional: „Wenn dieses wissenschaftsfeindliche Klima weiter um sich greift, dann machen wir einen Schritt zur Bananenrepublik.“ Der Simulationsforscher Niki Popper sagt im Gespräch mit profil: „Man muss es so drastisch sagen: Die Zusammenarbeit der Wissenschaft und Politik in der Pandemie ist in heiklen Phasen ab und zu ein kommunikatives Desaster, das müssen wir alle besser machen.“ In ruhigen Phasen funktioniert die Kommunikation gut, in heiklen Situationen sei man es schon gewohnt, dass sich Politiker jene wissenschaftlichen Aussagen herauspicken, die gerade ihre Linie unterstützen und andere negieren, die das nicht täten. Aber der Streit der vergangenen Tage, ob die 4. Welle in dieser Wucht vorhersehbar gewesen wäre,  das sei „der interessierten Bevölkerung nicht zumutbar“, meint Popper. Zusatz: „Natürlich war sie das.“

Eine Stelle, eine Stimme

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern will Popper in einem Brief an die Regierung eine neue Drehscheibe für wissenschaftliche Analysen anregen, wie auch eine unabängige nationale Medizindatenstelle, wie er sie gemeinsam mit Peter Klimek, Stefan Thurner und vielen anderen schon oft eingefordert hat.  Eine neue Informationsdrehscheibe könnte Bürgern und Politikern auch helfen, die vielen Signale – von Seiten der „Corona-Ampelkommission über das Nationale Impfgremium  bis hin zur Gesundheit Österreich GmbH – besser einzuordnen. „Es gibt viele Bausteine, aber es fehlt das Dach und die Verbindlichkeit.“

„Warum sitzen ausgerechnet wir immer in den Studios?“

Diese neue Institution solle mit einer Stimme sprechen und der Politik klare, für alle Bürger nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen auf den Tisch legen oder auch unterschiedliche wissenschaftliche Einschätzungen transparent machen. „Die Politik muss sich dann entscheiden, ob sie das annimmt, oder wenn nicht, gute Gründe dafür nennen.“  Popper spart auch nicht mit Selbstkritik an seinem Metier. „Warum sitzen ausgerechnet wir ständig in den Interviewstudios und erklären die Pandemie? Wo ist die Akademie der Wissenschaft, wo sind die Unis, wo die Rektoren? Wir müssen gemeinsam Qualität fordern, aber auch Verantwortung übernehmen.“ In Zeiten der Klimakrise, werden wir klare Evidenz dringend brauchen.

Im selbst täte es nicht leid, wenn er künftig weniger oft vor der Kamera säße, sagt der Simulationsforscher mit der markanten Windfrisur uneitel.

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