Lotte und Hugo Brainin: Am liebsten spricht er über ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Lotte und Hugo Brainin

© Christa Zöchling

profil-Morgenpost
11/19/2020

Lotte Brainin: Altersweisheit

Guten Morgen!

von Christa Zöchling

In Krisen ist gern von Helden die Rede.  Eine stille Heldin wird im dieswöchigen profil porträtiert. Die alte Dame ist gerade 100 Jahre geworden. Sie lebt in Wien, mit Hugo, der großen Liebe ihres Lebens, seit 73 Jahren verheiratet. Sie war noch keine 16 Jahre alt, als sie in die Arrestzelle kam, weil sie Flugblätter der illegalen Kommunisten verteilt hatte. Sie war eine junge Frau, als sie im belgischen Exil eine gefährliche Widerstandstätigkeit ausübte. Sie wurde nach Auschwitz  deportiert, und dann nach Ravensbrück, immer zweifach gefährdet, als Jüdin und als politische Aktivistin. Sie sagte einmal, sie hatte zwar immer Angst gehabt, aber da war eine Idee von Gerechtigkeit und dieser Idee sei sie gefolgt. Ganz einfach. Nur die Zeiten waren schwierig. Lotte Brainins Geburtstag wurde vergangene Woche corona-bedingt im virtuellen Raum begangen. Die Künstlerin Marika Schmiedt hat ihr ein digitales Denkmal geschaffen. Man sieht hier ein Leben  in hellem Glück, trotz aller Armut -  Fotos von Lotte als Kind, als lachendes, junges Mädchen – man sieht aber  auch Polizei- und Gestapo-Akten.  

Marika Schmiedt hat in Archiven und online-Plattformen erstaunliches gefunden. Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek trägt auf der Geburtstagshomepage, anzusehen auf www.brainin.at, einen Text über Lotte Brainin vor. Am Ende sagt Jelinek: „Kann man von einer solchen Frau durch die Darstellung des Erfahrenen das Eigene lernen oder lernen, dass das Eigene nie ganz das Eigene ist, weil es durch unzählige Opfer buchstäblich enteignet worden ist? Für alle. Für immer. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich Lotte ganz besonders fest an mich drücke und zum Geburtstag gratuliere, den sie daheim feiert, wo sie hingehört.“

Andere alte Menschen sind nicht daheim, sondern in Pflegeheimen untergebracht. 2000 von ihnen sind mit Corona infiziert, mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Frühjahr. Rosemarie Schwaiger beschreibt, was da schief gegangen ist und was jetzt zu tun wäre.

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