Die Anwälte fürs Grobe: Österreichs Starverteidiger und ihre illustren Klienten

Die Anwälte fürs Grobe: Österreichs Starverteidiger und ihre illustren Klienten

Nichts Menschliches ist ihnen fremd. Österreichs Staranwälte verteidigen Mörder, Betrüger, Vergewaltiger, Steuerhinterzieher – und manchmal natürlich auch Unschuldige. Ihre Bühne ist der Gerichtssaal, ihr moralischer Anspruch flexibel. Das Jahr 2015 verspricht für die Branche besonders glanzvoll zu werden.

Ein Nachmittag kurz vor Weihnachten in der Kanzlei von Rudolf Mayer, Verteidiger in Strafsachen: Gegen 16 Uhr ist im Vorzimmer kein Sessel mehr frei. Etwa ein Dutzend Menschen drängt sich im Raum, die Heizungsluft ist trocken und stickig, die Stimmung gedämpft. Ein junger Mann im dicken Anorak flüstert in sein Handy, zwei Frauen tuscheln miteinander, die anderen schweigen. Als die Tür aufgeht, heben sich ein paar Köpfe ganz kurz, um dann gleich wieder nach unten zu sinken. Wer hier sitzt, hat in aller Regel Grund, sich zu schämen – entweder in eigener Sache oder wegen eines Familienmitglieds. „Ich war eine Woche auf Urlaub“, sagt Mayer und bittet in sein Büro. „Deshalb ist heute mehr los.“ Dass es in seinem Vorzimmer aussieht wie beim praktischen Arzt während einer Grippewelle, sei aber nicht außergewöhnlich. „Im Strafrecht geht es um Soforthilfe, da kann man keine Termine vergeben.“

Der Wiener Rudolf Mayer ist seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. Er hat die Serienmörderin Elfriede Blauensteiner verteidigt, das sogenannte „Inzestmonster“ Josef Fritzl und zuletzt, gemeinsam mit dem Kollegen Werner Tomanek, die Spanierin Estibaliz Carranza, die zwei Männer getötet, zersägt und im Keller ihres Eissalons gebunkert hatte. Mayers Genre firmiert in Anwaltskreisen unter dem Sammelbegriff „Blut und Sperma“. Es ist kein nobles Metier, und sicher keines für Romantiker – aber es hat seine Reize.

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Foto: Philipp Horak für profil