profil: Die Gender-Ausgabe

profil: Die Gender-Ausgabe

Liebe Leserinnen!

Keine Sorge, liebe Leser: Sie sind selbstverständlich mitgemeint! Wir grenzen niemanden aus, wir drehen in der aktuellen Ausgabe den Spieß – beziehungsweise den gängigen Sprachgebrauch – lediglich einmal um und „verweiblichen“ die Texte konsequent. Wenn es sonst als normal gilt, dass die Österreicher, die Politiker, die Forscher immer auch Frauen einschließen, darf das Experiment erlaubt sein, mit Österreicherinnen, Politikerinnen, Forscherinnen Männer als gleichermaßen angesprochen zu betrachten. Dieses Experiment ist der – durchaus aktionistische, aber keinesfalls unernste – Beitrag von profil zur allgegenwärtigen Gender-Debatte. Redaktionsintern wurde intensiv und zum Teil kontrovers darüber diskutiert, wie ein solches Projekt umzusetzen sei. Wir haben ausdrücklich Abstand von der naheliegenden Option genommen, das Heft mit Binnen-Is, Unterstrichen oder Sternen vollzupflastern, weil es nicht um formale Exerzitien, sondern um die Bewusstmachung von starren Sprach-, Schreib- und Denkprozessen gehen soll. Dass wir damit Irritationen auslösen werden, nehmen wir nicht nur in Kauf – wir hoffen es sogar.

Die Feminisierung erfolgt durchgehend und systematisch: Maskulinformen werden nur verwendet, wenn tatsächlich und ausschließlich Männer gemeint sind; ansonsten gilt die weibliche Form als generischer Oberbegriff. (Einzige Ausnahme: das Sommergespräch mit Caritas-Direktor Michael Landau, das schon vor einigen Wochen geführt und autorisiert wurde.)
Auch inhaltlich bildet das auf vielen Ebenen diffizile Verhältnis zwischen Frauen und Männern einen Schwerpunkt des Heftes. Eva Linsinger und Christa Zöchling gehen der Frage nach, woher der unmäßige Furor im Genderdiskurs rührt. Angelika Hager und Sebastian Hofer enthüllen, was Frauen und Männer am zuverlässigsten trennt: die Sprache.

Wir wünschen Ihnen eine anregende und buchstäblich ­abwechslungsreiche Lektüre!

Ihre Redaktion