Die Wiener Landtagsabgeordnete Muna Duzdar wird Staatssekretärin
Die Wiener Landtagsabgeordnete Muna Duzdar wird Staatssekretärin

© APA/PARLAMENTSDIREKTION/WILKE

Halbmond über der Donau?
05/18/2016

Neue Staatssekretärin Muna Duzdar: Halbmond über der Donau?

Die neue SPÖ-Staatssekretärin Muna Duzdar.

Zuerst war Sadiq Khan. 45 Jahre alt, der Vater pakistanischer Busfahrer, die Mutter Näherin, der Sohn wurde vor knapp zwei Wochen zum Londoner Bürgermeister gewählt. Außenpolitik-Redakteur Robert Treichler befasste sich in seinem Kommentar „Halbmond über der Themse“ mit dem Shooting-Star der britischen Labour-Partei.

Jetzt ist Muna Duzdar. 37 Jahre alt, die Eltern stammen aus Palästina. Sie wurde heute als neue Staatssekretärin der SPÖ vorgestellt und ist die erste Muslima, die in einer österreichischen Bundesregierung dient. Jetzt befasst sich das Land mit der Aufsteigerin. Duzdar wurde zwar nicht wie Sadiq Khan gewählt sondern ernannt, dennoch gelten auch für sie einige der Sätze, die Treichler schon über den Londoner geschrieben hatte (hier eine stark gekürzte Fassung, die Vollversion finden Sie hier:

„Die Rechten haben nichts kapiert, aber eines immerhin gespürt: Der Sieg Sadiq Khans ist von immenser Bedeutung. Der 45-jährige Sohn pakistanischer Einwanderer – der Vater Busfahrer, die Mutter Näherin – ist ein Glücksfall für Europa, und das in einem Moment, in dem gerade schrecklich viel schiefgeht.

Die Masse der gesetzestreuen, anständigen Muslime hat kein Gesicht, während die Fahndungsbilder der Terroristen von Paris und Brüssel, der Vergewaltiger und Dschihadisten einen unseligen, bleibenden Eindruck hinterlassen.

Das Leben ist ganz bestimmt kein Abbild eines Sachbuchs von Thilo Sarrazin.

Jetzt geht Sadiq Khans Porträt durch die Medien und führt allen vor Augen: Das Leben ist kein Roman von Michel Houellebecq und auch ganz bestimmt kein Abbild eines Sachbuchs von Thilo Sarrazin. Hier kommt ein Muslim an die Macht, und er wird eines ganz bestimmt nicht tun: islamisieren. (...) Europa braucht einen Sadiq Khan, besser noch: viele. Und nicht nur Europa. Liberale Muslime, die es in die politische Elite schaffen, wären in vielen Teilen der Welt wünschenswert. (...) Europa kann liberalen Muslimen, die längst aufgeklärte Europäer geworden sind, die Möglichkeit bieten, globale Vorbilder für Muslime zu werden.

Sadiq Khan zeigt uns den vernünftigen Weg: Muslime wie er sollen an die Macht und dort den Beweis führen, dass ein muslimischer Bürgermeister ebenso wie ein schwuler Bürgermeister oder ein katholischer Bürgermeister einfach nur ein Bürgermeister ist.”

Oder eben eine Staatssekretärin.