Immer mehr junge Drogentote in Österreich
Für Eltern ist es eine Horrorvorstellung. Innerhalb von drei Wochen starben in Innsbruck fünf junge Menschen an einer Überdosis. Die ersten Toten in dieser erschütternden Serie waren zwischen 16 und 28 Jahre alt, die jüngsten und letzten Opfer waren zwei Mädchen im Alter von 13 und 14. Die Fünf waren in Behandlung und kannten sich aus der Psychiatrie.
Bei der 14-Jährigen ist die Todesursache noch nicht geklärt. Die 13-Jährige starb laut Gutachten nach dem Konsum mehrerer Substanzen, darunter Heroin und Schmerzmittel.
Die Todesserie in Innsbruck bestätigt einen traurigen Trend. Drogentote werden in Österreich immer jünger, das geht aus dem Epidemiologie- und Drogenbericht 2025 hervor, der am Montag von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) präsentiert wurde.
Höchster Wert seit 20 Jahren
Im Durchschnitt sterben in Österreich fünf Personen pro Woche an einer Überdosierung. Insgesamt waren es im Jahr 2024 – dem letzten Jahr der Untersuchung - 257 Personen. Das ist ein Rekordwert seit über zwei Jahrzehnten.
Was heraussticht: Die Zahl der jungen Drogentoten bis 25 Jahren stieg markant an. Bis 2018 machten sie einen Anteil von 15 Prozent an allen Drogentoten aus. Seither ist der Anteil auf 25 Prozent gewachsen. 2024 waren es 64 Personen unter 25, die an Drogen starben.
Besonders verschlechtert hat sich die Lage bei Frauen. Jede dritte weibliche Drogentote war unter 25 Jahre alt, bei den Männern war es jeder Fünfte.
Heroin und Benzos in Kombination
Die allermeisten Todesfälle stehen im Zusammenhang mit Opiaten, wie Heroin oder dem Schmerzmittel Morphin. Wie bei der 13- jährigen aus Innsbruck ist es der Mischkonsum mit Psychopharmaka, wie Benzodiazepin, der meist tödlich endet. Benzodiazepine sind verschreibungspflichtige Medikamente, die in niedriger Dosis angstlösend und schlaffördernd wirken.
„Es gibt jedoch zunehmend Hinweise darauf, dass sich eine Gruppe sehr junger Konsumentinnen und Konsumenten gebildet hat, die einen hochriskanten Mischkonsum aufweist“, heißt es.
Die Autoren des Drogenberichts gehen davon aus, dass die vielen Krisen der letzten Jahre die Situation verschlechtert haben. Sie erklären die Zunahme der jungen Drogentoten auch mit der Spaltung der Gesellschaft, mit verschärfter sozialer Ungleichheit, Einsamkeit in der Covid-Pandemie und einer fortschreitenden Jugendarbeitslosigkeit.
Neue Generation schwer erreichbar
Was die Expertinnen und Experten alarmiert, ist der fehlende Zugang zu den jungen Konsumenten. Zu viele würden „vom bestehenden Suchthilfesystem nicht erreicht“, obwohl die Angebote laufend ausgebaut wurden.
Sie empfehlen den Ausbau digitaler und niederschwelliger Angebote, um die Hemmschwelle für den Erstkontakt zu senken. Das können Chatbot-Apps oder Online-Selbsthilfeprogramme sein.
Auch die Daten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der Jugendhilfe sollten stärker in die Drogenprävention einfließen, um ein besseres Gesamtbild über die Risikogruppe zu erhalten.