Erhard Busek: „Nur Bussi-Bussi reicht nicht“

Erhard Busek: „Nur Bussi-Bussi reicht nicht“

Erhard Busek, Ex-Vizekanzler und früherer Leiter des Stabilitätspakts für den Balkan, über das fehlende Krisenmanagement der heimischen Außenpolitik.

Interview: Otmar Lahodynsky

profil: Warum spielt Österreich bei Konflikten in Osteuropa keine führende Rolle mehr?
Busek: Die dramatischen Ereignisse in der Ukraine haben uns wieder gezeigt, dass Österreich über keinerlei Krisenmanagement für Konflikte in unserer Nachbarschaft verfügt. Es fehlt jegliche Initiative. Sebastian Kurz wirkt bemüht und nett, aber nur Bussi-Bussi mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton reicht nicht.

profil: Hätte Österreich überhaupt den Spielraum, in der Ukraine etwas zu erreichen?
Busek: Wir könnten Sanitäter in die Westukraine schicken. Wichtig ist, dass wir Solidarität mit den jungen Menschen in der Ukraine zeigen. Und wir sollten Janukowitsch und seiner Clique ihre Konten sperren, die sie bei österreichischen Banken haben. Ich schlage zudem die Einrichtung eines Krisenzentrums im Außenministerium vor. Dieses könnte bei Konflikten auf dem Balkan oder in der Ukraine rasch Initiativen vorschlagen, auch auf EU-Ebene. Valentin Inzko, ein erfahrener Diplomat, wäre dafür der richtige Leiter. Er könnte als hoher Repräsentant für Bosnien bald seinen Job verlieren, obwohl nicht er, sondern die großen Länder des Westens für den Schlamassel in Bosnien verantwortlich sind.

profil: Wie schlägt sich Verteidigungsminister Gerald Klug in punkto Außenpolitik?
Busek: Der Abzug vom Golan war peinlich genug. Wir sollten uns jetzt an der EU-Truppe für die Zentralafrikanische Republik beteiligen. Nur sechs Stabsoffiziere ins Hauptquartier dieser Truppe in Griechenland zu entsenden, ist nicht besonders mutig. Klug setzt die zögerliche Linie seines Vorgängers Norbert Darabos fort.

Foto: Philipp Horak für profil