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profil-Morgenpost
07/16/2021

Verbrenner oder Weltrettung?

Unser Autor freut sich über das Klimaschutz-Programm der EU und ist gespannt auf eine Welt ohne Benzin- und Dieselautos.

von Philip Dulle

Historisch war das Wort, das man vergangenen Mittwoch wiederholt aus Brüssel hörte. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ihren Plan „Fit for 55“ vorgestellt, bei dem es sich nicht, wie man vermuten könnte, um einen Trainingsplan für die besten Lebensjahre handelt, sondern darum, dass die Treibhausgasemissionen in der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent (im Vergleich zu 1990) gesenkt werden sollen; geeinigt haben sich die 27 Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament darauf bereits letzten Dezember. Dass es für das ambitionierte Ziel (zuvor wurden 40 Prozent angestrebt) auch ein Maßnahmenpaket braucht, war klar – und es wird unser aller Alltag beeinflussen. Es geht um nichts weniger als die Umgestaltung von Gesellschaft und Wirtschaft, um Verschärfung des Emissionshandels in der Industrie, um erneuerbare Energiesysteme (bzw. höhere Kosten für das Heizen mit Kohle, Erdgas oder Öl), um den Schutz von Naturräumen und Artenvielfalt – und es soll, was die meisten Schlagzeilen verursachte, ab 2035 keine neuen Benzin- und Dieselautos mehr geben, nur noch emissionsfreie Autos sollen neu zugelassen werden. Eines ist klar: Auch Österreich wird seine Klimaanstrengungen verstärken müssen.

Das Recht, nicht gehen zu müssen“

Einschneidende Maßnahmen sind so oder so alternativlos, wie meine KollegInnen Christina Hiptmayr und Joseph Gepp jeden zweiten Freitag im profil-Klimapodcast „Tauwetter“ erörtern (ein Podcast-Abo lohnt sich auf jeden Fall). Denn: Die Folgen der Erderwärmung sind bereits überall spürbar. Die Temperaturen steigen, es folgen Hitzewellen, anhaltende Dürren, dann wieder Unwetter und Überschwemmungen. Egal ob in Kanada, bei unseren europäischen Nachbarn oder hier in Österreich. In der aktuellen, sozusagen taufrischen Episode, sprechen die beiden mit den deutschen Wissenschafterinnen Sonja Buckel und Judith Kopp über die Frage, wie die Klimaerhitzung Menschen in die Flucht treibt – und was dagegen getan werden kann. Die Politologinnen haben zu dem Thema im Auftrag der Wiener Arbeiterkammer eine Studie verfasst. Vielsagender Titel: „Das Recht, nicht gehen zu müssen“.

Gigantische Umweltsauereien“

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle noch ein Buch empfehlen, das zwar nicht mehr ganz neu, mir aber von einem gewissen Farin Urlaub zum Thema Artenschutz und Klimakatastrophe empfohlen wurde. Elizabeth Kolbert, Journalistin des „New Yorker“, erklärt in „Das sechste Sterben“ (Suhrkamp Verlag), wie in einem relativ kurzen Zeitraum ungewöhnlich viele Lebensarten ausgestorben sind – und warum der Mensch die Verantwortung dafür trägt. Experten, so Kolbert, gehen davon aus, dass das aktuelle Massenaussterben das verheerendste sein wird, seit vor 65 Millionen Jahren ein Asteroid auf der Erde einschlug und in weiterer Folge die Dinosaurier verschwanden. Oder wie es Popstar Farin Urlaub formuliert: „Wir Menschen sind auf diesem Planeten zwar nichts als Ameisen, aber wenn wir alle zusammen gigantische Umweltsauereien verursachen, kommt es eben kumulativ zu Veränderungen des Erdklimas.“

Alles wird gut?

Philip Dulle

 

 

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